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© haltern-zeigt-flagge 2009-10
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30.11.2011 - Interview der
Woche: Haltern zeigt
Flagge gegen Rechtsextremismus
HALTERN "Jeder
Extremist ist schon einer zu viel", sagt Heike Brüggemann vom Bündnis
gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Die Serienmorde der Zwickauer Zelle
haben sie erschüttert, eine konkrete Gefahr für Haltern sieht sie jedoch
derzeit nicht. Die Redakteurin der Halterner Zeitung, Elisabeth Schrief,
sprach mit der Sprecherin des Halterner Bündnisses.
Die Täter von Zwickau
hatten ein Netzwerk von Helfern und Sympathisanten. Muss die Polizei den
Fokus auch auf eine Halterner Szene richten?
In Haltern sehe ich persönlich keinen Anhaltspunkt. Aufkleber, wie noch
kürzlich im Marienhof, gehören leider Gottes zum Alltag. Ab und an
beobachten wir am Bahnhof autonome Nationalisten. Wenn uns vom Bündnis
etwas Verdächtiges auffällt, wenden wir uns sofort an die Polizei. Auch
für Hinweise aus der Bevölkerung sind wir immer dankbar. Wir arbeiten
ebenso eng mit mobim, der „mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster
gegen Rechtsextremismus, für Demokratie“ zusammen. Sie bietet Hilfe zur
Selbsthilfe an. Eine Gefahr sehe ich grundsätzlich weniger in jenen
Neonazis oder autonome Nationalisten, die mit ihren Taten prahlen. Viel
gefährlicher ist das, was – wie jetzt in Zwickau – im Verborgenen
geschieht. Oft stecken intelligente Menschen dahinter, die es eigentlich
besser wissen müssten.
Wie reagiert das Bündnis auf die rassistische Mordserie?
Das Vorgehen der Täter aus Zwickau ist erschreckend. Deshalb ist es
wichtig, dass über Gründe und Hintergründe nachgeforscht wird. Wir in
Haltern beobachten im Moment die Entwicklung, sehen aber keinen direkten
Handlungsbedarf vor Ort.
Hat es Sie bestürzt, dass die rechtsextremistischen
Hintergründe dieser Morde über einen langen Zeitraum unentdeckt blieben?
Das hat mich sehr erstaunt. Erst nach vielen Jahren ist die Polizei in
der Lage, Zusammenhänge herzustellen. Gut, dass die Morde aufgeklärt
sind. Mir tun die Familien leid. Sie hatten sich mit dem Tod ihrer
Angehörigen abgefunden und werden jetzt erneut mit dem schmerzlichen
Erlebnis konfrontiert. Niemand hatte vermutet, dass die Neonazi-Szene
damit in Verbindung steht.
Kürzlich organisierte das Bündnis wieder einen Sternmarsch
durch die Stadt. Die Beteiligung ließ zu wünschen übrig. Fühlen Sie sich
trotzdem akzeptiert?
In der Vergangenheit ist uns aufgefallen, dass die Beteiligung am
Sternmarsch nachlässt, wenn es keinen aktuellen Vorfall in Haltern gibt.
Dann ist es schwierig, die Bürger für Aktionen zu mobilisieren. Aber
umso wichtiger ist, kontinuierlich zu demonstrieren. Wir müssen zeigen,
dass wir da sind, wenn etwas passiert, aber auch wenn nichts passiert.
Überregional ist der Rechtsextremismus eben doch immer ein Thema. Wir
hören es gerade wieder von Dortmund. Dankbar waren wir für die Teilnahme
von Landrat Cay Süberkrüb. Das gibt unseren Aktionen Gewicht.
Was tut das Bündnis sonst?
Wir beobachten die Szene, stellen uns mit Infoständen in die Stadt,
verteilen Flyer mit unserem Leitbild, laden Jugendliche zu
Informationsveranstaltungen, Gesprächsrunden oder zu Fahrten z.B. zum
Gestapo-Gefängnis nach Dortmund ein. Wir informieren und klären auf.
Wichtig ist, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Wir
halten schon engen Kontakt zu den weiterführenden Schulen und wollen
diesen aber noch intensivieren. Dazu wollen wir die sozialen Netzwerke
nutzen. Ich bin überrascht, wie wichtig das geworden ist. Auch Rechte
und Linke sind über Facebook vernetzt. Wir als Bündnis wollen aufpassen,
dass Jugendliche nicht in die Falle geraten.
In Ihrem Bündnis-Titel stellen Sie sich gegen
Rechtsextremismus. Ist linker Extremismus nicht eine vergleichbar große
Gefahr?
Rechtsradikalismus bildet bei unserer lokalen Arbeit einen Schwerpunkt.
Aber natürlich schauen wir auch nach links. Die linke Szene ist bislang
zumindest in Haltern nicht durch Gewalt aufgefallen. Das Wichtigste für
uns ist, dass in Haltern alle Menschen, egal welcher Herkunft, friedlich
zusammenleben können. Wir stehen für Demokratie und diese Toleranz ein.
Quelle: Halterner Zeitung/Schrief
16.11.2011 - Ausgrenzung durch Sprache
Deutsche und Döner
Die Politik
sorgt sich wegen des Nazi-Terrors um den guten Ruf des Landes - mit
Recht: Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sitzen tief in der deutschen
Gesellschaft. Das zeigt nicht zuletzt der unselige Begriff von den
"Döner-Morden", meint Stefan Kuzmany von SPIEGEL-ONLINE.
Was war Deutschland doch für ein glückliches Land! Unverkrampft.
Herzlich. Aufgeschlossen gegenüber den Menschen aus der ganzen Welt, die
sich "zu Gast bei Freunden" fühlen sollten. Endlich schien es
überwunden, das Image der Ausländerfeindlichkeit. Das war im Sommer
2006, zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.
Zwei Monate vor Beginn der Freundlichkeitsfestspiele in Schwarz-Rot-Gold
war Halit Y. in seinem Internet-Café in Kassel ermordet worden,
hingerichtet mit zwei Kopfschüssen. Mit Fremdenhass mochte das damals
niemand in Verbindung bringen - kein Ermittler, kein Politiker, kein
Journalist.
Auch nach diesem neunten Mord fehlte damals von den Tätern jede Spur.
Die Opfer waren Schneider, Kioskbesitzer, betrieben einen
Schlüsseldienst oder einen Gemüsehandel, nur zwei Opfer arbeiteten in
einem Döner-Laden, doch namensgebend für die Mordserie war der türkische
Imbiss dennoch: "Döner-Morde" wurden und werden sie genannt - auch
auf SPIEGEL ONLINE.
Herablassend, klischeebeladen und ausgrenzend
Der Begriff "Döner-Morde" ist ein trauriger Beweis für den latenten
Rassismus der deutschen Gesellschaft - auf drei Ebenen. Zunächst
bedeuten "Döner-Morde" eine herablassende Gleichsetzung und
Entmenschlichung: Die Opfer werden allesamt zum "Döner" gemacht, als
hätten sie keine Namen, als hätten sie keine Berufe. Man stelle sich
eine ähnliche Mordserie mit vornehmlich italienischen Opfern vor -
würden wir sie dann "Spaghetti-Morde" nennen? Und welch Aufschrei ginge
durch Politik und Presse, würden in der Türkei serienmäßig deutsche
Staatsbürger ermordet und man spräche dort von "Kartoffel-" oder
"Sauerkraut-Morden"? Kaum auszudenken.
Zum Zweiten bedient der Begriff das Klischee der Ausländerkriminalität.
Mit der Aufklärung der Mordserie beschäftigt war eine Polizeikommission
unter dem bezeichnenden Namen "Bosporus", und deren lange gehegte
Täter-Theorie, wie auch die der Presse, war vermeintlich nahe liegend:
Irgendwelche organisierten Kriminellen aus der Türkei oder sonst woher
hätten da wohl ihre Schutzgeld- und/oder Drogenstreitigkeiten blutig
ausgetragen. Die Opfer seien irgendwie in finstere Machenschaften
verwickelt gewesen, und dass man dieses Netz finsterer Machenschaften
nicht zu identifizieren vermochte, sprach allzu lange nicht gegen dessen
Existenz, sondern eher für die heimtückische Tarnung dieses
phantasierten Netzwerks von kriminellen Zuwanderern.
Die dritte Ebene des Begriffs "Döner-Morde" ist die damit
zusammenhängende, aber noch viel tiefer reichende Ausgrenzung von
Zuwanderern: Den deutschen Zeitungsleser konnte es wohlig gruseln, las
er im Sonntagsblatt von der Mordserie, so wie die beiden Bürger, die
Johann Wolfgang von Goethe in seinem "Faust" über ihre liebste
Wochenendbeschäftigung sprechen lässt: "Wenn hinten, weit, in der
Türkei/ Die Völker aufeinander schlagen/ Man steht am Fenster, trinkt
sein Gläschen aus/ Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe
gleiten;/ Dann kehrt man abends froh nach Haus,/ Und segnet Fried' und
Friedenszeiten." Alles so schön weit weg. Das war ungemein beruhigend
für die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Sollen sich die doch gegenseitig
umbringen, sie gehören ja sowieso nicht zu uns, also ist uns das Morden
eigentlich egal. Wir haben nichts damit zu tun: "Sie mögen sich die
Köpfe spalten,/ Mag alles durcheinander gehn;/ Doch nur zu Hause bleib's
beim alten."
"Bis zur letzten Patrone"
Verdrängen, wegschauen und ablenken, das war und ist das Mittel der
Wahl, wenn sich in Deutschland der Rassismus zeigt. Niemand sagt etwas,
wenn in Greifswald eine Frau im Supermarkt angespuckt wird, weil sie
asiatisch aussieht. Wenn sich an der Feinkosttheke mitten in Berlin eine
andere ausländisch aussehende Frau versehentlich von der falschen Seite
anstellt, dann nicken die gut situierten Kunden zustimmend, wenn die
Verkäuferinnen in einen demonstrativen Dialog darüber eintreten, dass es
sich "bei uns" gehöre, ordentlich zu warten, in "anderen Ländern" sei
das "wohl anders". Und wenn sich in Bayern eine Frau darüber beschwert,
die Post sei schon wieder so spät eingetroffen, weil die seit neuestem
"ein Neger" austrage, dann wundert sie sich, wenn man sie rassistisch
nennt - und weist es weit von sich.
Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2010 hegt etwa ein
Drittel der deutschen Bevölkerung die Vorstellung, das Land sei "durch
die vielen Ausländer in gefährlichem Maße überfremdet". Man solle, wenn
die Arbeitsplätze knapp werden, "die Ausländer wieder in ihre Heimat
zurückschicken" - welche ja sowieso nur hierher gekommen seien, "um
unseren Sozialstaat auszunutzen". Angela Merkel spricht angesichts der
Nazi-Mordserie von einer "Schande" für Deutschland. Recht hat sie. Eine
Schande ist es aber auch, dass sie mit einer Partei koaliert, deren
Vorsitzender Horst Seehofer noch im März dieses Jahres seinen Anhängern
zurief: "Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme
wehren - bis zur letzten Patrone."
Sprache bestimmt das Denken, und aus dem Denken entstehen Taten.
Darum sind gedankenlose Worte gefährlich. Wir wissen jetzt, wer die neun
Männer aus der Türkei und Griechenland umgebracht hat: es waren
Deutsche, ihr Motiv war Ausländerhass. Nennen wir ihre Taten beim
richtigen Namen.
04.11.2011 Sternmarsch mit Landrat
Auch in diesem Jahr fand wieder unser
traditioneller Sternmarsch durch die Halterner City statt. Am
04.11.11 um 18 Uhr trafen sich rund 100 Teilnehmer an
der Muttergottesstiege, die die Rekumer Straße hinunter zogen
zum Marktplatz. Im Anschluss fand eine
Kundgebung vor dem Alten Rathaus statt. Als Redner trat unser Landrat Cay Süberkrüb auf, musikalischer Höhepunkt
war die Schülerband "Plain
Cooking". Für die sich anschließende Gesprächsrunde standen warme
Getränke bereit.

Foto: Bianca Glöckner, Halterner
Zeitung
02.11.2011 - Autonome Nationalisten überziehen Marienhof
mit Aufklebern
In der Nacht zum
Montag überzogen Mitglieder der so genannten AG Ruhr-Mitte den Marienhof
mit Aufklebern, die zum nationalen Widerstand aufrufen. Die Anwohner
ärgern sich über fremdenfeindliche Aussagen und Sachbeschädigungen an
Fensterscheiben und Hinweisschildern. Die Polizei wurde eingeschaltet,
die Sachbeschädigung protokolliert und an die zuständige
Staatsanwaltschaft weiter geleitet. Polizei-Pressesprecher Michael Franz
verharmlost wieder einmal die Aktivitäten der Autonomen Nationalisten
in Haltern am See: Die rechtsradikalen Aktivisten seien bekannt und
ständen unter Beobachtung. In Haltern habe die AG Ruhr-Mitte nur einen
kleinen Anhängerkreis, von einer festen Szene könne man nicht sprechen.
Um so wichtiger erscheint es, beim Sternmarsch am 4. November das
richtige Zeichen zu setzen und den fremdenfeindlichen Aktivitäten durch
zahlreiche Teilnahme etwas entgegenzusetzen.
13.08.2011 - Infostand des Bündnis' auf dem Halterner
Büchermarkt
Anlässlich
des diesjährigen Büchermarktes in der Innenstadt machte
das Halterner Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus -
für Toleranz und Demokratie darauf aufmerksam, dass wir in
der Bundesrepublik Deutschland das Grundrecht auf Meinungsfreiheit
und Pressefreiheit genießen.
Das
ist nicht selbstverständlich: Die meisten Menschen der Welt
können davon nur träumen: Gerade starben Menschen in
Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien und vielen anderen Ländern
im Kampf gegen staatliche Unterdrückung und für das
Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch in
Deutschland war lange Zeit das krasse Gegenteil Realität:
Freie Meinungsäußerung war in der Nazidiktatur in
höchstem Maße lebensgefährlich. Bücherverbrennung
und die Brandmarkung vieler Kunstwerke als "entartet"
waren nur zwei äußere Aspekte der totalen
Gleichschaltung der Öffentlichkeit.
In
der DDR wurde schon die vermutete Regimegegnerschaft mit dem
Entzug gesellschaftlicher Möglichkeiten, wie Berufsverbot,
Verlust des Studienplatzes, Verlust der Wohnung oder ähnlichen
Repressalien verfolgt, die Maßnahmen des Regimes schlossen
auch Inhaftierung und Folter ein. GeStaPo und StaSi waren in
ihrer jeweiligen Zeit übermächtige und allgegenwärtige
Instrumente des Staatsterrors gegen die eigene Bevölkerung.
Unser
Grundgesetz schützt sogar diejenigen, die es ablehnen und
beseitigen wollen. Wir rufen daher dazu auf, abfällige
Äußerungen zu unserer Demokratie zu hinterfragen, nicht
an die einfachen Rezepte der Besserwisser zu glauben und bei allen
Schwierigkeiten immer daran zu denken, wie gut es uns heute geht
im Vergleich zu den Zeiten, als Monarchen oder diktatorische
Regime an der Macht waren.
18.04.2011
- Verfassungsschutz-Daten
Zahl
gewaltbereiter Neonazis steigt stark an
Neonazis
bei Demonstration: Erstarken der Gewaltbereiten
Radikale
Neonazis sind auf dem Vormarsch: In Deutschland gibt es laut
Verfassungsschutz immer mehr gewaltbereite Rechtsextreme, im
vergangenen Jahr wuchs ihre Zahl um 600 auf jetzt 5600 an.
Insgesamt schrumpft die rechtsextreme Szene aber - die NPD
verliert weiter Mitglieder.
Osnabrück
- Die Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten in Deutschland ist im
Vorjahr nach Einschätzung des Verfassungsschutzes deutlich
gestiegen. Der Präsident des Bundesamtes für
Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sagte der "Neuen Osnabrücker
Zeitung": "Die gewaltbereite Neonazi-Szene ist stärker
geworden. Sie ist 2010 erneut um 600 auf 5600 Personen gewachsen."
Im Jahr 2000 waren es nach Angaben Fromms noch 2200 Neonazis.
"Auch
die Autonomen Nationalisten, die bei Aufmärschen immer wieder
durch Gewalt in Erscheinung treten, haben unverändert
Zulauf", sagte der Chef des Verfassungsschutzes. "Bei
dieser Gruppe war im vergangenen Jahr ein Anstieg von zuvor 800
auf 1000 Personen zu verzeichnen."
Die
Gesamtzahl der Rechtsextremisten in Deutschland ist nach den
aktuellen Erkenntnissen des Geheimdienstes aber rückläufig.
Die Zahl sei 2010 um 1600 Anhänger auf rund 25.000
zurückgegangen, sagte Fromm. Auch der Mitgliederverlust bei
der rechtsextremen NPD setzt sich fort. "Die Partei hat Ende
2010 noch 6600 Mitglieder gehabt. Das sind 300 weniger als im Jahr
zuvor und 600 weniger als zu den besten Zeiten der NPD im Jahr
2007."
Auch
die Fusion mit der rechtsextremen DVU werde nicht zu einer
nennenswerten Erhöhung des Mitgliederbestandes führen,
vermutet der oberste Verfassungsschützer. Fromm warnte
zugleich davor, die Aktionsfähigkeit der NPD zu
unterschätzen.
Insbesondere
der Misserfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 20. März
habe die Partei getroffen. "Aber trotzdem ist die NPD, wie
der bevorstehende Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern
zeigen wird, handlungsfähig." Sie verfüge über
Strukturen im kommunalen Bereich und werde wieder auf
Unterstützung von Neonazis rechnen können. "Ein
Wiedereinzug in den Landtag erscheint aus heutiger Sicht nicht
unrealistisch", sagte Fromm.
anr/dpa/dapd
, Spiegel Online
28.10.2010
- Rechtes Gedankengut: Aufkleber versetzen Bürger in Rage
HALTERN. Seit
Wochen ärgert sich eine Bürgerin über Aufkleber mit
rechtsradikalen Parolen, die vornehmlich im Wohngebiet zwischen
Römer- und Holtwicker Straße, aber auch am Hennewiger
Weg auf Laternenpfählen, Zäunen und Hauswänden
aufgebracht werden. Schon gleich nach den Sommerferien waren
der Mutter bei einem Fußweg von der Martin-Luther-Schule die
ersten runden Schildchen aufgefallen. Munter geht es seitdem
weiter.
Aufkleber
abknibbeln Die
Familie versucht, das rechtsradikale Gedankengut von Halterns
öffentlichen Straßen zu knibbeln. Doch angesichts der
Fülle und der festen Klebeschicht ist ihr Erfolg nur dürftig.
Der neueste Aufkleber trägt die Aufschrift „Gegen die
Islamisierung Europas – Deutschland den Deutschen“ und
versetzte die Halternerin so richtig in Rage. Das Ausmaß
ihrer Besorgnis wird von der Polizei allerdings nicht geteilt. In
der Vergangenheit sei es in Haltern immer wieder zu derartigen
„Phänomenen“ gekommen, bestätigte der
Recklinghäuser Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber.
Linke
Gruppen Auch
linke Gruppen oder Personenkreise mit einem fußballbezogenen
Hintergrund gehörten zu den Urhebern. Dass zurzeit vermehrt
rechtsradikale Inhalte Verbreitung finden, deute nicht auf eine
Zusammenballung dieser Anhänger in Haltern hin. Die Aufkleber
könnten sehr schnell von wenigen Personen verteilt
werden.
Keine
Volksverhetzung Der
Staatsschutz habe die Lage im Blick, die im übrigen auch in
anderen Städten des Kreises zu beobachten sei. Es würden
immer wieder Fotos von den Fundorten gemacht und Bewertungen
vorgenommen. Im Fall des aktuellen Aufklebers handelt es sich nach
Auskunft des Staatsschutzes inhaltlich nicht um ein Vergehen von
strafrechtlichem Belang beziehungsweise um
Volksverhetzung.
Sachbeschädigung
Allerdings
könnte man die Urheber wegen Sachbeschädigung anzeigen.
Wichtig für die Polizei sei es, dass sich Zeugen melden, die
Personenhinweise geben können. Absolute Vertraulichkeit werde
zugesichert. Die Leserin indes, die nicht mit Namen in der Zeitung
erscheinen möchte, ist sich sicher, dass ihre Nachbarn aus
Angst Stillschweigen bewahren. Zu dieser Situation passe der Fakt,
dass die Halterner Polizeiwache nachts verwaist ist. Quelle:
Halterner Zeitung/Wiethoff
27.
08.2010 - Überfall auf „Hirsch Q“ : Eskalation
der Gewalt durch Neonazis
Gestern
Nacht nahm die Polizei fünf Verdächtige aus dem rechten
Spektrum fest. Foto: videonews24
DORTMUND.
Während sich Dortmunds Polizei auf einen ihrer größten
Einsätze vorbereitet, das Demogeschehen rund um den 4.
September, haben erneut vermummte Neonazis die linke Szene-Kneipe
„Hirsch Q“ an der Brückstraße
überfallen. Wie im vergangenen Jahr auch haben zahlreiche
Gruppierungen, Institutionen, Gewerkschaften und Vereine, in engem
zeitlichem Zusammenhang zum Antikriegstag (1. September), für
den 3., 4. und 5. September Demonstrationen angemeldet. „Durch
die Demonstrationen werden die Innenstadt, die nördliche
Innenstadt und Dorstfeld unmittelbar betroffen sein“,
erklärte Polizeisprecher Wolfgang Wieland.
„Verkehrsbeeinträchtigungen bei der Durchführung
der Versammlungen sind zeitweise zu erwarten.“ Zur
unmittelbaren Information der Bevölkerung, insbesondere auch
der Besucher in den erwähnten Bereichen, wird die Polizei
Dortmund ab Samstag an stark frequentierten Örtlichkeiten in
der Zeit von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr Informationsstände
einrichten. Ab dem 2. September wird die Behörde zudem ein
Bürgertelefon schalten. Bei weit über 30
Veranstaltungen wollen Dortmunds Bürger zeigen, dass sie die
Nazis satt haben. Getreu dem Motto „Je mehr Platz wir
einnehmen, desto weniger Platz haben die Nazis“ werden diese
im gesamten Stadtgebiet durchgeführt. Zu der einen oder
anderen Veranstaltung wird auch Bundesprominenz erwartet. So wird
Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, an der Kundgebung
gegen den Nazi-Aufmarsch des Arbeitskreises Dortmund gegen
Rechtsextremismus in der Nordstadt teilnehmen. Kühlen
Kopf bewahren Mit Entsetzen reagierten Friedrich Stiller
(VKK) und Jutta Reiter (DGB) vom Arbeitskreis auf den Angriff auf
die „Hirsch Q“. „Wir rufen die Polizei auf, in
diesen Tagen besonders aufmerksam zu sein“, so Reiter und
Stiller. „Wir mahnen vor allem Jugendliche, einen kühlen
Kopf zu behalten und gewaltfrei zu protestieren.“ Diese Tat,
so Reiter, reihe sich deutlich ein in eine Reihe von ähnlichen
Angriffen gegen bekennende Nazigegner und demokratische
Einrichtungen. In der Nacht hatten zwanzig Vermummte Steine und
Flaschen auf die „Hirsch Q“ geworfen. Die Gäste
setzten sich zur Wehr. Es kam zu einer Schlägerei zwischen
rund 60 bis 70 Personen. Auch Pfefferspray, so die Polizei, wurde
eingesetzt. Bevor die Polizei anrückte, konnten die Angreifer
fliehen. Fünf wurden jedoch im Bereich des Hauptbahnhofs
festgenommen. Es gab drei Leichtverletzte. Bereits am Montag
hatten vermummte Rechtsradikale die Teilnehmer der Montagsdemo in
Marl angegriffen, die dafür geworben hatten, in Dortmund
gegen die Nazis auf die Straße zu gehen. Quelle:
WAZ/derwesten/Winkelsträter
25.08.2010
- Rechte Gewalt : Rechte greifen Montagsdemo an

Als
Hartz IV-Gegner am Montag in der Hülser Fußgängerzone
demonstrierten, warfen Vermummte mit Feuerwerkskörpern und
skandierten rechte Parolen.
MARL. Sie hätten ja damit gerechnet, dass
sie Besuch von Neonazis bekommen würden. Udo Lindnau aus dem
Organisationsteam der Montagsdemo sagte das am Mittwoch auf
Nachfrage der WAZ: „Das ist immer der Fall, wenn wir
antifaschistische Inhalte thematisieren.“ Am Montag war es
wieder so. Wöchentlicher Schauplatz der von den Hartz
IV-Gegnern initiierten Demo ist seit Jahren die Fußgängerzone
in Marl-Hüls. Auf der Agenda stand an diesem Tag u.a. das
Werben für die antifaschistische Demonstration, die am 4.
September in Dortmund unter dem Motto „Dortmund stellt sich
quer! Sie werden nicht durchkommen“ durchgeführt werden
soll. Neonazis planen dort, den Antikriegstag am 1. September, der
an den Beginn des 2. Weltkrieges durch das Hitler-Regime erinnert,
mit dem „6. nationalen Antikriegstag“ zu
beantworten. Polizei bestätigt
Einsatz In Hüls prallten beide
Gruppen nicht direkt aufeinander. Lindnau schildert: „Die
Neonazis standen vermummt einige Meter entfernt. Sie kamen von der
Hülsstraße, skandierten rechtsradikale Parolen und
zündeten Feuerwerkskörper an, die sie dann in unsere
Richtung warfen.“ Die Hartz IV-Gegner, die angesichts der
Erfahrungen an diesem Montag mit einer größeren Gruppe
als sonst üblich vertreten waren, berichten von erschrockenen
Passanten. Die Polizei bestätigte den Einsatz in der
Fußgängerzone. Ein Sprecher sagte, dass die Beamten
nach ihrem Eintreffen weder vor Ort noch in der Umgebung jemanden
angetroffen hätten. Dabei wollen es die Moderatoren der
Montagsdemo aber nicht belassen. Sie hatten schon in der
Fußgängerzone am so genannten offenen Mikro das Verbot
der Neonazis und ihrer Propaganda gefordert und kündigen an,
nun auch noch eine Strafanzeige stellen zu wollen. Quelle:
WAZ/derwesten/Pothoff
Juli
2010 - Das Halterner Bündnis gegen Gewalt und
Rechtsextremismus -
für Toleranz und Demokratie gratuliert der deutschen
Fußball-
Nationalmannschaft zum 3. Platz bei der WM 2010 in Südafrika
Liebe
Nationalmannschaft, herzlichen Dank für Eure sportliche
Höchstleistung, den fairen Wettkampf und den großartigen
3. Platz bei der WM 2010! Die ganze Welt hat gesehen, wie Euer
Fußball 'made in Germany' bei dieser WM begeistert und
verzaubert hat. Hättet Ihr den Titel geholt - die Welt hätte
es Euch gegönnt!
Ihr habt Deutschland nicht nur
würdig vertreten, sondern ein leuchtendes Beispiel
vollendeten Mannschaftsgeistes abgegeben. Damit habt Ihr ganz neue
Sympathien für Deutschland im In- und Ausland geweckt. In
diesem Sinne sind wir stolz auf Euch und schwenken jubelnd unsere
deutschen Fähnchen.
Integration
und Zusammenhalt unter verschiedenen Menschen fällt nicht vom
Himmel, sondern muss erarbeitet werden. Ihr habt uns gezeigt,
dass es geht und welch fantastisches Ergebnis daraus entstehen
kann. Das ist vielleicht die wertvollste Eurer Leistungen.
Mögen
noch viele weitere große Erfolge daraus entstehen!
Mai
2010 - Landtagswahl NRW 2010:
Gemischtes Ergebnis für die Stadt Haltern am See
Positiv
ist zuerst festzustellen, dass die extrem rechten Parteien in
Haltern keinen einzigen Kandidaten für die Wahl aufgestellt
haben. Sie konnten daher keine Erststimmern erhalten, demzufolge
beschränkt sich die weitere Betrachtung auf die Zweitstimmen.
Näher
angesehen haben wir uns die Ergebnisse der NPD, der Republikaner
(REP) und von proNRW, die aus unserer Sicht sämtlich dem
äußerst-rechten Spektrum zuzurechnen sind.
Möglicherweise gab es weitere Parteien, die man als extrem
rechts ansehen kann, diese hatten zahlenmäßig aber
überhaupt kein Gewicht und wurden nicht betrachtet.
Prozentual,
das ist die gute Nachricht, haben die Rechtsausleger in Haltern am
See auch 2010 keine Bedeutung gehabt (Summe der drei Parteien:
1,34%).
Gegenüber
der NRW-Landtagswahl 2005 haben sowohl NPD als auch REP starke
Stimmenanteile verloren, jedoch hat proNRW, die zum ersten Mal
antrat, die höchste Stimmenzahl der drei Parteien am rechten
Rand erhalten.
Damit
ist in Haltern am See die Gesamtzahl der Wähler rechts außen
gegenüber 2005 von 202 auf 276 sprunghaft gestiegen.
Wahlergebnis
Haltern am See, Zweitstimmen gesamt
|
Name
|
Stimmen
2010
|
Stimmen
2005
|
Stimmenanteil
2010
|
|
NPD
|
70
|
116
|
0,34%
|
|
REP
|
54
|
86
|
0,26%
|
|
proNRW
|
152
|
0
|
0,74%
|
Quelle:
http://wahlen.kreis-re.de/lw2010
(Textversion auswählen)
Uns
hat darüber hinaus interessiert, ob es in Haltern eventuell
Wahlbezirke gibt, in denen besonders viele oder besonders wenige
Wähler rechtsextrem gewählt haben:
Die
Unterschiede der Stimmenanteile zwischen den Wahlbezirken waren
eher gering. Es lagen fast genau so viele Wahlbezirke über
dem Halterner Durchschnitt, wie darunter. Es gab keinen einzigen
Wahlbezirk in Haltern, in dem es nicht mindestens eine Stimme für
eine der drei Rechtsparteien gegeben hat, der höchste
Stimmenanteil in Summe der drei Parteien lag bei 2,18% (Wahlbezirk
005 Schulzentrum) und die höchste absolute Zahl an
rechtsextremen Wählerstimmen betrug 19 (Wahlbezirk 008
Trigon).
Wahlergebnis
Haltern am See, Zweitstimmen je Wahlbezirk
|
Wahlbezirk
Nr
|
Wahlbezirk
|
Stimmen
NPD
|
Stimmen
REP
|
Stimmen
proNRW
|
Stimmenanteil
(Summe*) NPD+REP +proNRW
|
|
001
|
Josefshaus
(St. Sixtus)
|
1
|
1
|
2
|
0,56%
|
|
906
|
Briefwahlbezirk
|
3
|
1
|
1
|
0,60%
|
|
011
|
Martin-Luther-Grundschule
|
1
|
1
|
3
|
0,71%
|
|
002
|
Marienschule
|
2
|
2
|
1
|
0,77%
|
|
012
|
Freiherr-von-Eichendorff-Schule
|
2
|
0
|
4
|
0,80%
|
|
009
|
Gaststätte
Zum Römer
|
2
|
3
|
0
|
0,82%
|
|
004
|
Altes
Rathaus
|
0
|
2
|
3
|
0,95%
|
|
902
|
Briefwahlbezirk
|
2
|
2
|
5
|
0,95%
|
|
007
|
Josef-Hennewig-Schule
|
1
|
2
|
3
|
1,08%
|
|
903
|
Briefwahlbezirk
|
3
|
2
|
6
|
1,10%
|
|
021
|
Grundschule
Hullern
|
2
|
0
|
4
|
1,15%
|
|
018
|
Grundschule
Sythen
|
3
|
0
|
7
|
1,20%
|
|
901
|
Briefwahlbezirk
|
4
|
3
|
3
|
1,20%
|
|
010
|
Grundschule
Silverberg
|
4
|
1
|
2
|
1,30%
|
|
006
|
Gemeindehaus
Hamm-Bossendorf
|
3
|
4
|
3
|
1,34%
|
|
Wahlbezirke
unter oder im Durchschnitt
|
|
|
Haltern
am See gesamt
|
70
|
54
|
152
|
1,34%
|
|
Wahlbezirke
über dem Durchschnitt
|
|
019
|
Grundschule
Sythen
|
2
|
4
|
5
|
1,39%
|
|
020
|
Grundschule
Hullern
|
2
|
2
|
3
|
1,40%
|
|
003
|
Marienschule
|
3
|
1
|
5
|
1,53%
|
|
905
|
Briefwahlbezirk
|
3
|
5
|
9
|
1,53%
|
|
016
|
Grundschule
Lavesum
|
3
|
0
|
9
|
1,55%
|
|
014
|
Grundschule
Lippramsdorf
|
4
|
2
|
7
|
1,65%
|
|
904
|
Briefwahlbezirk
|
2
|
2
|
10
|
1,74%
|
|
022
|
Grundschule
Flaesheim
|
4
|
2
|
8
|
1,80%
|
|
013
|
Freiherr-von-Eichendorff-Schule
|
4
|
2
|
7
|
1,85%
|
|
008
|
Trigon
|
2
|
6
|
11
|
2,08%
|
|
015
|
Grundschule
Lippramsdorf
|
1
|
2
|
13
|
2,08%
|
|
017
|
Grundschule
Sythen
|
6
|
2
|
8
|
2,08%
|
|
005
|
Schulzentrum
|
1
|
0
|
10
|
2,18%
|
Quelle:
http://wahlen.kreis-re.de/lw2010
, außer Spalte (*)
(Alle
Angaben wurde nach bestem Wissen zusammengestellt, jedoch ohne
Gewähr)
09.
04.2010 - Innenminister warnt vor «Rattenfängern»
im Internet
|
 Foto:
dpa
|
KÖLN.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat vor
rechten «Rattenfängern» im Internet gewarnt.
Rechtsextremistische Organisationen hätten begriffen, dass
sie mit offener Werbung wenig Erfolg erzielten, sagte der
Minister am Donnerstag in Köln. Sie versuchten nun, mit
scheinbar sozialen Projekten, aber auch gezielt im Internet in
sozialen Netzwerken, junge Leute zu ködern. Auch
Bundesverfassungsschutzpräsident Heinz Fromm betonte, die
Szene werbe «verdeckt und verschleiert» im Internet
um junge Neuzugänge.
|
|
Zuvor
hatte der niedersächsische Verfassungsschutz berichtet,
Netzwerke wie Facebook, SchülerVZ, StudiVZ oder
StayFriends würden zunehmend von Rechtsextremisten
missbraucht.Der Minister sagte bei einem Besuch des Bundesamtes
für Verfassungsschutz (BfV), die NPD, ihre
Tarnorganisationen und andere rechtsextremistische
Gruppierungen hätten bemerkt, «dass ihr
Rechtsextremismus offenbar nicht attraktiv genug ist, um offen
dafür zu werben. Das ist die gute Nachricht.» Durch
Verschleiern ihrer Ziele werde aber die Aufklärungsarbeit
schwieriger. Diese sei eine wichtige Aufgabe des BfV und der
Landesverfassungsschutzämter. Fromm sagte, er könne
die Beobachtungen des niedersächsischen Landesamtes nur
unterstützen. Hier massiv aufzuklären, sei bedeutend
und werde forciert. Die am Donnerstag vorgestellte,
aktualisierte BfV-Wanderausstellung «Die braune Falle -
Eine rechtsextremistische Karriere» zeigt, wie der Szene
häufig über das Internet die «rechtsextremistische
Verführung» vor allem junger Männer gelingt. Es
gibt im Web auch Kontaktbörsen, antisemitische und
rassistische PC- Spiele oder Chat-Foren, in die das braune
Gedankengut eingestreut wird. In der «Welt»
hatte zuvor der Chef des niedersächsischen
Verfassungsschutzes, Hans Wargel, gesagt: «Jugendliche
werden über den Austausch in den Foren vermehrt an die
rechtsextremistische Szene herangeführt und auch
angeworben.» Häufig könnten die jungen Leute
Propaganda, Indoktrination und Anwerbeversuche nicht auf den
ersten Blick als rechtsextrem erkennen. «Die
Rechtsextremisten tauchen in den sozialen Netzwerken im
Internet als Wolf im Schafspelz auf. Sie äußern sich
zunächst ganz unverfänglich und versuchen, dadurch
das Vertrauen der anderen Teilnehmer zu erschleichen.» Nach
Erkenntnissen der Landesbehörde ruft die rechtsextreme NPD
dazu auf, sich in den Netzwerken zu tummeln. Die «Deutsche
Stimme», das Zentralorgan der Partei, gebe in der
Märzausgabe unter dem Titel «Die NPD in der
virtuellen Welt» konkrete Tipps, wie sich die Netzwerke
unterwandern lassen. Quelle: Zeit-online/dpa
|
28.03.2010
Tausende demonstrieren gegen Moschee-Feinde
Menschen
in Ost und West haben gegen Aufmärsche von Rechtsextremisten
protestiert. In Duisburg versammelten sich Tausende Protestanten
vor Deutschlands größter Moschee, um islamfeindliche
Aktionen der Rechten an den Pranger zu stellen. Der Zentralrat der
Muslime bedankte sich.

Tausende
Menschen demonstrieren in Duisburg vor der Moschee im Ortsteil
Marxloh gegen Fremdenhass. Sie wollen ihre Abneigung zeigen
gegenüber den Kundgebungen von Pro NRW und NPD, die sich
gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands richten. Zu
den Gegendemonstranten... Knapp 6000 Menschen protestierten in
Duisburg gegen Anti-Islam-Demonstrationen der rechtspopulistischen
Gruppierung „Pro NRW“ und der NPD. Auf Zugwegen der
rechten Demonstranten kam es zu zwei Sitzblockaden von Gegnern,
die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Aktionen verliefen
laut Polizei friedlich. Rund 350 Menschen seien zu den
Kundgebungen der Rechten gekommen. Die Veranstalter hatten zuvor
1400 angekündigt. Insgesamt gab es 14 Demonstrationszüge
im Stadtgebiet. Mehr als 3000 Polizeibeamte verhinderten ein
Zusammentreffen rechter Demonstranten mit den Teilnehmern der
Gegenveranstaltungen. Die Einsatzkräfte der Polizei hatten
die Straßen im Umfeld der Merkez-Moschee im Stadtteil
Marxloh großräumig für den Autoverkehr gesperrt.
Rund um den Kuppelbau hatten sich tausende Menschen versammelt und
blockierten den Rechtsextremen den Weg. Die größte
Gegenveranstaltung war nach Auskunft der Polizei die vom Deutschen
Gewerkschaftsbund angemeldete Protestdemonstration mit dem Titel
„Wir sind Duisburg“, an der sich rund 4000 Menschen
beteiligten. Die Demonstranten zogen von Duisburg-Hamborn aus nach
Marxloh. Dort fand eine gut einstündige Kundgebung statt, an
der auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, die
nordrhein-westfälische SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft,
die nordrhein-westfälische Grünen-Fraktionsvorsitzende
Sylvia Löhrmann und der Bundestagsabgeordnete Volker Beck
(Grüne) teilnahmen. Vom Minarett der Moschee und den Türmen
der beiden christlichen Kirchen in Marxloh wehte jeweils ein
großes Banner mit dem Schriftzug „Hand in Hand gegen
Rassismus“. Multireligiöse Stadt Auf der
Kundgebung „Marxloh stellt sich quer“ direkt vor der
Moschee sprachen unter anderem der Duisburger Oberbürgermeister
Adolf Sauerland (CDU) und der evangelische Superintendent Armin
Schneider. Der Theologe verurteilte die Hetze der
Rechtsextremisten gegen die Moschee und den Islam als Provokation.
Duisburg sei eine „multireligiöse Stadt mit langer
Tradition“. Vertreter der beiden großen christlichen
Kirchen wiesen die Positionen der rechtsextremistischen Gruppen
als mit dem christlichen Glauben unvereinbar zurück. Auch
Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland waren nach
Duisburg gekommen. Einer seiner Sprecher erklärte auf der
Abschlusskundgebung: „Rassisten sind eine Gefahr - nicht
Muslime.“ „Wir können Integration und leben
sie“, sagte Duisburgs Oberbürger Adolf Sauerland (CDU).
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) wertete die
Kundgebung als deutliches Zeichen bürgerlichen Engagements
gegen den Rechtsextremismus. „Wir empfinden Dankbarkeit“,
sagte der ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek. Bereits am
Freitag und Samstag hatten in mehreren Ruhrgebietsstädten
Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit und für
Solidarität mit Muslimen stattgefunden. An den sogenannten
Mahnwachen von „Pro NRW“ hatten vor Moscheen nach
Polizeiangaben etwa 30 bis 40 Menschen teilgenommen. Die
Gegenveranstaltungen wurden den Angaben nach von etwa 2.000
Menschen besucht. Quelle: weltonline
27.03.2010
- Viel Gegenwind für Aktionen von „Pro NRW“

RUHRGEBIET.
Anhänger von “Pro NRW“ traten am Freitag zu
Anti-Islamisierungsdemonstrationen in sechs Städten an. Sie
trafen auf Gegendemonstranten, die deutlich in der Überzahl
waren. An diesem Wochenende werden es noch mehr sein – auf
beiden Seiten. Wären
da nicht so viele Polizisten, so viele Journalisten und
Gegendemonstranten, man würde die Demonstranten von „Pro
NRW“ kaum bemerken. Ein durchnässtes Häuflein, 39
Leute mit einer Handvoll Deutschland-Fahnen und
Moschee-Verbotsschildern, so stehen sie in der Horster Straße
in Gelsenkirchen und demonstrieren gegen eine angebliche
Islamisierung dieses Landes – dieselben 39, die zwei Stunden
zuvor in Herten demonstrierten. 200 Meter die Straße
herunter: vielleicht 300 Gegendemonstranten, viele linke Gruppen,
Widerstandsveteranen, junge Türken auch darunter, die heute
ihren witzigen Tag haben – als ein anderer Südländer
hinzu tritt, rufen sie gut gelaunt „Libanesen raus“. Elf
angemeldete Gegendemonstrationen So oder ähnlich war das
am Freitag in sechs Revierstädten, Auftakt zu dem, was „Pro
NRW“ ein „islamkritisches Aktionswochenende“
nennt. Die unter Rechtextremismusverdacht stehende Gruppe wird am
Sonntag an der Mustermoschee in Duisburg-Marxloh demonstrieren
(„Abendland in Christenhand“) und tut damit etwas für
ihre Bekanntheit sechs Wochen vor der Landtagswahl. Zugleich sorgt
die Ankündigung dafür, dass Marxloh an diesem Sonntag
nicht in der Welt ist. Denn neben diesem Aufmarsch gibt es noch
einen der NPD zu derselben Moschee. Mit Blockaden, Menschenketten
und elf angemeldeten Gegendemonstrationen wollen die
Organisationen „Marxloher Bündnis“ und „Duisburg
stellt sich quer“ beide Aufmärsche verhindern. Wieviel
Menschen dazu kommen, ist völlig unklar: „5000 oder
10 000 oder 20 000, wir wissen es nicht“, sagt
der Arzt Michael Lefknecht vom Bündnis. 2200 Polizisten
allein in Marxloh Fest steht aber, dass allein in Marxloh 2200
Polizisten sein werden, um die rivalisierenden Rechten, die
friedlichen Gegendemonstranten und die gewaltbereiten
Linksautonomen auseinander zu halten, mit denen man auch rechnen
darf. Die Polizei muss schon am Samstag einschlägig aktiv
sein: Vor dem Duisburger Hauptbahnhof ist eine weitere NPD-Demo
angekündigt, eine Gegendemonstration auch; und in Schloss
Horst in Gelsenkirchen trifft sich „pro NRW“ zu einem
Parteitag. Vermutlich wieder dieselben 39 Leute. Auch hier ist mit
Blockaden zu rechnen. Quelle: WAZ/Wolf
22.03.2010
- Neonazis störten Diskussionsabend der IG BCE
|

|
HALTERN.
Eine Gruppe von 30 Neonazis störte am Donnerstag einen
öffentlichen Informations- und Diskussionsabend der IG
BCE. Das offensive Auftreten der rechten Szene bei öffentlichen
Veranstaltungen sei laut Heiko Klare von der Mobilen Beratung
gegen Rechtsradikalismus im Regierungsbezirk Münster
neu. Die rechte Szene beschränkt
sich in Haltern laut Schätzungen des Bündnisses gegen
Rechts auf fünf bis sechs Anhänger. Das hört
sich harmlos an. Doch der Schein trügt gewaltig.
„Innerhalb von einem Tag können sie eine Gruppe von
30 Personen aus dem Umkreis rekrutieren“, weiß
Frank Lackmann vom Bündnis gegen Rechts. Dass sie dies
auch tun, wurde am Donnerstag bei einem öffentlichen
Informations- und Diskussionsabend der IG BCE deutlich.
|
Bewusste
Entscheidung „Wir
wussten vorher, dass die Neonazis dort auftauchen würden und
haben uns bewusst dafür entschieden, die Veranstaltung
trotzdem durchzuführen“, sagt Heiko Klare von der
Mobilen Beratung gegen Rechtsradikalismus im Regierungsbezirk
Münster. Die Absage wäre ein fatales Signal gewesen.
Man dürfe nicht immer nur über Demokratie reden,
sondern müsse für diese auch aktiv eintreten. Das
offensive Auftreten der rechten Szene bei öffentlichen
Veranstaltungen sei laut Heiko Klare neu. Das Ziel sei, durch
Parolen ihre Ideologie zu vertreten, Präsenz zu zeigen und
einzuschüchtern. Strafrechtlich sei ihnen dabei zunächst
nicht beizukommen. Bei der Veranstaltung im IGBCE-Bildungszentrum
bildeten die Rechtsradikalen ein Drittel der rund 70 Gäste.
Drei Wortmeldungen wurden von den Podiumsgästen kurz und
knapp beantwortet. Frank Lackmann: „Die wollen nicht
diskutieren. Die wollen nur ihre Statements abgeben.“
Lied
der Hitlerjugend Bevor
Veranstalter Detlef Lüke seine Schlussworte sprechen konnte,
stimmten die Rechtsradikalen ein Lied der Hitlerjugend an. Lüke
machte von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die Gruppe aus
dem Saal. Beim Verlassen des Raumes erhoben die Nazis eine
schwarz-weiß-rote Fahne. „Mit den verbliebenen
Gästen haben wir dann aufgearbeitet, was passiert ist“,
erklärt Heiko Klare. Seiner Meinung nach sind solche Vorfälle
unangenehm, in diesem Fall sei jedoch alles gut gelaufen. Es
wurden keine Monologe zugelassen, das Mikrofon wurde nicht aus der
Hand gegeben und es kam zu keinen Übergriffen. Das wichtigste
sei gewesen, dass der Veranstalter mit der
Diskussionsveranstaltung Stellung bezogen habe. Quelle:
Halterner Zeitung/Woitschell (!)Rechtsextreme
Personen wagen sich in eine Veranstaltung des IG BCE, auch die
Gegenwart der Polizei vor und im Saal hält sie nicht davon
ab, vorbereitete Fragen zu stellen, eine mitgebrachte Fahne zu
zeigen und gezielt zu provozieren. Das Handeln der Rechtsextremen
ist hier geplant und Teil einer Strategie, die überregional
verfolgt wird, möglichst alle Veranstaltungen "gegen
Rechts" zu stören. Das belegen auch unter anderem
Erfahrungen in anderen deutschen Städten und die
Selbstdarstellung der Rechtsextremen im Internet. Freie und
unabhängige Gewerkschaften sind wie die großen
Sozialverbände, Parteien und andere gesellschaftliche
Institutionen wesentliche Säulen unserer Gesellschaft und
eine Errungenschaft der Demokratie, um die Deutschland von vielen
Ländern der Welt beneidet wird. Wer sich dagegen stellt,
stellt sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung
unseres Staates. Die 25 Personen, die am 18.03. in Haltern ein
Zeichen setzen wollten, sind keine "paar dummen Jungs",
die man ignorieren kann. Sie sind eingebettet in effiziente
Netzwerke und werden strategisch gesteuert. Wir müssen
daher alle gemeinsam eine neue, realistische Bewertung der
Bedrohung durch Rechtsextremismus vornehmen, um von der
Verharmlosung weg zu effizienten Gegenstrategien zu kommen. Wir
dürfen nicht zulassen, dass die Gegner der Demokratie sich
die Freiheit unseres Staates zu nutze machen, um ihre
menschenverachtenden Parolen zu proklamieren.
19.
03.2010 - Das Abendland gehört allen
In Herten formiert sich ein breites Bündnis gegen Pro
NRW-Demo
vor Moschee. Kirchen weisen Vereinnahmung zurück.

HERTEN.
Gegen die von der rechtsextremen Partei Pro NRW geplante
„Mahnwache“ vor der blauen Moschee (Bild) auf dem
Paschenberg hat sich ein breites Bündnis formiert. Vom 26.
bis 28. März will Pro NRW ein „Anti-Islamisierungswochenende“
veranstalten. Dazu gehören am Samstag ein Kongress in
Gelsenkirchen und so genannte „Mahnwachen“ an Moscheen
in verschiedenen Städten des Ruhrgebietes. Unter anderem in
Herten: Für Freitag, 26. März, hat die rechte
Gruppierung eine Aktion mit 60 Teilnehmern vor der VIKZ-Moschee an
der Paschenbergstraße angemeldet. „Abendland in
Christenhand“ heißt der Slogan für die
Veranstaltungen. Aufgerufen vom Caritasverband, hat sich
dagegen ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen
gebildet, das am Freitag um 11.30 Uhr auf dem Otto-Wels-Platz in
der Innenstadt eine Demonstration unter dem Thema „Herten
hat keinen Platz für Rassismus“ veranstaltet. Schulen,
Parteien, Vereine, Initiativen, Gewerkschaften wollen daran
teilnehmen. „Im Vorfeld hat es Überlegungen gegeben,
vor der Moschee zu demonstrieren, aber wir halten es für
sinnvoller, die direkte Konfrontation mit Pro NRW zu
meiden“, erläutert der katholische Stadtdechant Norbert
Mertens. Linke Gruppen wollen sich indes daran nicht halten und
sich an der Paschenbergstraße versammeln. Die
Kirchen fühlen sich nicht nur durch die „Mahnwache“
vor der islamischen Gebetsstätte, sondern gerade auch durch
den Slogan „Abendland in Christenhand“
herausgefordert. Die evangelischen und die katholischen Gemeinden
haben sich in einer gemeinsamen Erklärung ausdrücklich
von dieser Forderung distanziert. „Diese Vereinnahmung für
rechte politische Ziele weisen wir zurück. Das ist keine Art
des Umgangs miteinander. Das Abendland gehört den Menschen,
die hier leben, und nicht einer Religion“, sagt der
evangelische Pfarrer Bernhard Stahl, der auch für den
Christlich-Islamischen Arbeitskreis spricht. Der Inhalt dieser
Erklärung soll in den nächsten Tagen in den Gemeinden in
Gottesdiensten und Gruppen erläutert und diskutiert werden.
Auch die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer
haben inzwischen Stellungnahmen zu den Pro NRW-Zielen
abgegeben. Ihre klare Position zu der angekündigten
„Mahnwache“ wollen die Kirchen im übrigen nicht
als pauschales Bekenntnis zum VIKZ verstanden wissen, dessen
Führung vom Verfassungsschutz beobachtet wird. „Das
heißt nicht automatisch, dass wir mit allem dort
einverstanden sind. Aber das ist eine ganz andere
Auseinandersetzung“, so Pfarrerin Renate Leichsenring,
Vorsitzende des evangelischen Gemeindeverbandes Herten. Quelle:
WAZ/zur Nieden
11.03.2010
- Hertener planen zwei Veranstaltungen gegen "pro NRW"
HERTEN.
Rund 70 Bürger sind am Mittwochabend ins Rathaus gekommen, um
den Widerstand gegen die Demo der rechtsextremen Partei "pro
NRW" zu organisieren. Die Mehrheit stimmte für einen
Kompromiss. „Pro NRW“ plant am Freitag, 26. März,
zwischen 10 und 11.30 Uhr eine Anti-Minarett-Demonstration unweit
der blauen Moschee an der Paschenbergstraße. Am
Mittwochabend überlegten Vertreter von Kirchen,
Vereinen, Parteien, Stadtverwaltung, Sozialverbänden usw.
nun, wie man gegen den unerwünschten Besuch vorgehen
kann. Einige forderten eine Gegenaktion direkt an der Moschee,
andere stimmten für eine Kundgebung in der Innenstadt.
Heraus kam ein Kompromiss: Am 26. März wird es um 10 Uhr eine
kleine Solidaritätsaktion an der Moschee geben. Um 11 Uhr
beginnt dann auf dem Otto-Wels-Platz vor dem Rathaus eine große,
bunte Kundgebung. Für Dienstag, 16. März, 17
Uhr, wurde ein weiteres Vorbereitungstreffen im Rathaus
angesetzt. Quelle: Hertener Allgemeine
05.03.2010
- Übergriff auf Familie
Rechte Szene wird immer jünger und
gewaltbereiter
Dortmund ist Neonazi-Hochburg
NRW.
Aufgrund zunehmender Gewalt von Rechtsextremen auch in
Nordrhein-Westfalen fordern Experten jetzt ein stärkeres
Vorgehen gegen Mitglieder der rechten Szene. Vor allem Dortmund,
Hamm sowie der Kreis Unna stehen im Blickfeld der Ermittler. In
Dortmund ist es offenbar erneut zu einem rechtsextremen Übergriff
auf eine Familie gekommen.
|
|
|
|
In
Dortmund war es im vergangenen Jahr auf einer Demonstration
auch zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und der Polizei
gekommen. Foto: Wegener
|
|
In
der Nacht zu Donnerstag haben bislang noch unbekannte Täter
Buttersäure auf das Auto einer Familie geschüttet. „Wir
nehmen die Sache sehr ernst“, sagte gestern eine Sprecherin
der Polizei. Die Frau sei nach Angaben der Ermittler eher der
linken Szene zuzuordnen. Daher gilt ein rechter Hintergrund als
wahrscheinlich, sagte die Sprecherin. Ermittlungen von
Staatsschutz und Polizei laufen. Prävention alleine reiche
beim Kampf gegen Rechts schon lange nicht mehr aus, sagt Ralf-Erik
Posselt von der Gewalt Akademie Villigst mit Sitz in Schwerte. Er
fordert von den Behörden stattdessen eine regelmäßige
Überprüfung bekannter Neonazis. „Man muss mehr
Druck aufbauen, auch durch die Polizei“, sagt Posselt.
„Genau hier muss die Justiz ansetzen.“ Denn Vorfälle
wie im vergangenen Jahr, als eine Familie aus Dortmund über
Monate von Neonazis terrorisiert wurde, soll es laut Posselt nicht
wieder geben.
Attacken
gegen Familie Damals
sah sich eine Dortmunderin mit ihrer Familie immer wieder Attacken
von Neonazis ausgesetzt, nachdem sie in ihrem Stadtteil regelmäßig
Nazi-Plakate entfernt und „Juden-raus“-Parolen
gemeldet hatte. Als Folge prangten zunächst Nazi-Aufkleber an
ihrem Haus, später wurde das Küchenfenster mit einem
Stein zertrümmert. Am Ende fand die Familie keinen anderen
Ausweg als aus der Stadt zu fliehen. Nach dem erneuten
Zwischenfall in der Nacht zu Donnerstag in Dortmund sagte Stefan
Mühlhofer von der Koordinierungsstelle für Vielfalt,
Toleranz und Demokratie in Dortmund: „Wir müssen
aufpassen, dass die Situation in Dortmund in Zukunft nicht aus dem
Ruder läuft.“ Anders als Posselt setzt Mühlhofer
gemeinsam mit dem Bielefelder Soziologen und Konfliktforscher
Wilhelm Heitmeyer allerdings auf einen Ausbau der Netzwerke gegen
Rechts. „Denn derzeit“, so betont Heitmeyer, „arbeiten
noch viel zu viele Leute gegeneinander. Da lachen sich die Rechten
dann ins Fäustchen.“
NRW-Innenministerium
hat Bereitschaft signalisiert Das
NRW-Innenministerium hat bereits Bereitschaft signalisiert.
Sprecherin Cordula Holzberg bestätigt, dass zukünftig
verstärkt Jugendeinrichtungen, Schulen und Kirchenverbände
in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden sollen. „Schon
jetzt kriegen wir immer mehr Anfragen gerade von Schulen.“
Grund sei die starke Verjüngung der Szene: Viele Mitglieder
sind gerade einmal zwischen 16 und 23 Jahre alt. Brisant: Mit
der Verjüngung ist nach Ministeriumsangaben auch die
Gewaltbereitschaft gestiegen. Im Fokus von Verfassungsschutz und
Experten stehen dabei vor allem die so genannten Autonomen
Nationalisten. „Bei dieser Gruppierung haben wir zuletzt ein
Gewaltpotenzial auf kaum da gewesenen Niveau ausgemacht“,
sagt ein Ministeriumssprecher. Das sei zuletzt bei den heftigen
Auseinandersetzungen auf einer Gewerkschaftsdemo in Dortmund im
Mai des vergangenen Jahres zu beobachten gewesen. Damals hatten
Hunderte Aktivisten die Kundgebung des DGB attackiert und
Teilnehmer verletzt. Bundesweit schätzen
Verfassungsschützer den harten Kern der „Autonomen
Nationalisten“ derzeit auf 600 Personen. Knapp ein Drittel
davon ist laut Innenministerium vor allem in Dortmund, Unna und
Hamm aktiv. Quelle: Halterner Zeitung
(!)Laut
Ralf-Erik Posselt von der Gewalt-Akademie Villigst zieht es die
rechte Szene auch verstärkt in ländliche Regionen, um
ungestörter agieren zu können. "Dort werden lokale
Jugendinitiativen und Vereine wie die Freiwillige Feuerwehr
unterwandert." Seit einiger Zeit sind die Autonomen
Nationalisten auch in Haltern aktiv. Sie besitzen eine eigenen
Internetseite, sind gut mit anderen Gruppen vernetzt und starten
immer wieder spontane Aktionen.
13.02.2010
- Zehntausend bei Anti-Neonazi-Kette
Dresden stemmt sich gegen rechten Aufmarsch
DRESDEN.
Eine Stadt wehrt sich: Mehr als zehntausend Menschen haben einen
Ring um Dresdens Altstadt gebildet - um ein Zeichen gegen den Zug
von 1300 Rechtsextremen zu setzen. Die "braunen Horden"
seien unerwünscht, rief die Bürgermeisterin den Menschen
zu. Vereinzelt kam es zu Gewaltausbrüchen. Es
ist der größte Neonazi-Aufmarsch seit langem - und der
Protest dagegen ist gewaltig. Rund zehntausend Menschen bildeten
eine geschlossene Menschenkette um die Altstadt, um der
Bombardierung der Stadt vor 65 Jahren zu gedenken und zugleich ein
Zeichen gegen den Zug der Rechtsextremen zu setzen. Sie sei
"überwältigt", wie viele Dresdner und Gäste
der Stadt dem Aufruf gefolgt seien, sagte Oberbürgermeisterin
Helma Orosz (CDU). Sie seien in Gedenken an "die schlimmste
Stunde" Dresdens zusammengekommen: Der Jahrestag der
Bombardierung im Februar 1945 sei eine Erinnerung daran, "wer
diesen verdammten Krieg losgetreten hatte". Zu der
Menschenkette hatte Orosz mit Kirchen, Gewerkschaften, Parteien,
Wirtschaftsverbänden und anderen Gruppen aufgerufen. "Machen
wir Dresden zu einer friedlichen, weltoffenen, zu einer Festung
gegen Intoleranz und Dummheit", rief die Bürgermeisterin
den Teilnehmern zu. "Den Jung- und Altnazis, die heute wieder
versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen, stellen wir uns
entgegen." Dresden lasse nicht zu, dass "braune Horden"
die Stadt als Plattform für Geschichtsklitterung nutzten.
"Dresden will sie nicht, und diese Bande gehört nicht
hierher. Ich habe gespürt, dass die Menschen wirklich dabei
waren, dass es sie in die Stadt getrieben hat, um dieses Signal zu
setzen." "Sehr deutliches Signal an die, die diese
Stadt zu missbrauchen versuchen"
Auch
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nahm an
der Kundgebung teil. Dresden habe den angereisten Neonazis klar
die Stirn geboten, sagte er. "Ich hoffe, dass das ein sehr
deutliches Signal war an die, die diese Stadt zu missbrauchen
versuchen." Die Rechtsextremen versuchen seit Jahren, die
Zerstörung der Stadt für ihre Propaganda zu
instrumentalisieren. Vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt versammelten
sich zunächst etwa 1300 von ihnen, unter Polizeischutz waren
weitere tausend Anhänger der rechten Szene dorthin unterwegs.
Doch der Marsch kam nicht in Bewegung, wegen einer Straßenblockade
von rund 2000 Gegenprotestanten. Zu einer Räumung sehe sich
"die Polizei außerstande", sagte Einsatzleiter
Ludwig-Gerhard Danzl am Mittag. Zwischenzeitlich versuchte die
Polizei allerdings Augenzeugen zufolge, die Blockaden aufzulösen.
An mehreren Orten hätten sie Demonstranten weggetragen. Die
Linke rief die Bürger bei einer Kundgebung dazu auf, den
Neonazi-Zug zu blockieren. "Dieses Jahr stoppen wir die
Nazis", rief die stellvertretende Vorsitzende Katja
Kipping. Am Rande der Feiern kam es immer wieder zu
Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen und linken
Demonstranten, es flogen Flaschen und Feuerwerkskörper. Auch
Polizisten wurden einem Sprecher zufolge angegriffen. Es sei ein
Wasserwerfer eingesetzt worden. Verletzt worden sei bisher
niemand. Die Polizei nahm laut eigenen Angaben bis zum Nachmittag
sieben Menschen fest. Gegendemonstranten hatten Barrikaden auf
den Gleisen zwischen den beiden großen Dresdner Bahnhöfen
wurden errichtet, um die Anreise der Rechtsextremisten zu
verhindern. Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 6000 bis 8000
Beamten in der Stadt. Sechs große Transporthubschrauber,
dunkelblau, weiße Türen, kreisten laut "taz"
über der Stadt. Ein Bus mit 30 Neonazis sei angegriffen
worden. In einer Seitenstraße wurde nach Angaben der
Nachrichtenagentur dpa ein parkendes Auto umgestoßen. Die
Versammlung der Rechtsextremisten überschattet das Gedenken
an die Zerstörung Dresdens durch die Luftangriffe alliierter
Bomber am 13. und 14. Februar 1945. Das Bombardement kostete nach
Angaben einer Expertenkommission bis zu 25.000 Menschen das Leben.
In der Nazipropaganda war von bis zu 200.000 Toten die Rede, was
nun missbraucht wird, um die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg
zu relativieren. Das breite Bündnis gegen rechts wird von
Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) angeführt. Ab 13
Uhr hatten Gegendemonstranten mit einer Menschenkette und weißen
Rosen symbolisch die Altstadt gegen Rechtsextremisten abgeriegelt.
Laut eigenen Angaben wollen sie damit ein Zeichen für die
Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt setzen. Quellen:
ssu/AFP/apn/dpa
08.02.2010
- Nazi-Kundgebung: Polizei nimmt 25 Gegendemonstranten fest

MARL.
Auch unsere Nachbarstadt kommt nicht zur Ruhe. 25 Personen, die
dem linksorientierten Spektrum zugeordnet werden, wurden am
Samstag in Marl festgenommen. Vorausgegangen war eine genehmigte
Demonstration von Neonazis, die unverblümt die Todesstrafe
für Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergangen
haben, forderten. Etwa
170 Teilnehmer trafen sich zur Kundgebung am Busbahnhof. Danach
marschierten die Neonazis stundenlang durch die Stadt. Begleitet
wurden sie von den linksgerichteten Gegendemonstranten und anderen
Bürgern. Gegen 13 Uhr kam es dann an der Rappaportstraße
zu den Auseinandersetzungen zwischen den beiden verfeindeten
Gruppen. Linksautonome zündeten nach Angaben der Polizei
dabei Feuerwerkskörper an. Die Polizeibeamten, die mit einem
großen Aufgebot die Demonstration begleiteten, griffen
sofort ein. 25 Personen wurden festgenommen. Gegen sie wird ein
Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet. Sieben
wurden mit Platzverweisen belegt. Einer wurde mit einer Anzeige
wegen Beleidigung belegt. Gegen 15 Uhr endete die Demonstration.
Die Rechtsradikalen wurden von der Polizei aber weiter begleitet,
bis sie per Bus und Bahn abfuhren. Ein weitere Gegendemonstration
mit etwa 50 Teilnehmern verlief friedlich. Auslöser für
die Kundgebungen, war der kurzzeitige Aufenthalt des
Sexualstraftäters Hans H., der durch eine Panne bei den
Justizbehörden, im Anschluss an seine Haft, nicht in
Sicherheitsverwahrung genommen werden konnte. H. hatte eine
Unterkunft in Marl von der Stadt zugewiesen bekommen. Die Stadt
kannte aber den Hintergrund des 62-Jährigen zunächst
nicht. Der 62-Jährige befindet sich mittlerweile nicht
mehr in Marl. Quelle: WAZ/Decker
05.02.2010
- Neonazis verhöhnen Alexander Lebenstein nach dessen Tod
Mit
Empörung reagiert das Bündnis auf die öffentliche
und unverhohlene Häme aus der Neonaziszene nach dem Tod des
Halterner Ehrenbürgers Alexander Lebenstein. Halterns
Ehrenbürger Alexander Lebenstein hat sich Zeit seines Lebens
gegen die Ausbreitung faschistischen Gedankenguts in Deutschland
und anderswo engagiert. So sind die Rechten im Internet noch am
Todestag Lebensteins aktiv geworden und haben den Halterner
Ehrenbürger dort in niederträchtigster Weise vorgeführt.
In einem wohl mittlerweile gelöschten Eintrag auf der
Plattform "StudiVZ" ist die
Alexander-Lebenstein-Realschule zudem als "Judenschule"
diffamiert worden. Darüber hinaus verteilten Mitglieder der
Autonomen Nationalisten Flugblätter mit zum Teil
antisemitischem Inhalt. Die Aktivitäten der rechten
Szene erfüllen uns mit Sorge und zeigen zugleich, dass die
rechte Szene in Haltern weiterhin aktiv ist. Besonders im Bereich
von Halterns weiterführenden Schulen sind Anhänger des
rechten Gedankenguts auf Werbetour. Wie die Polizei mitteilte,
wurde der Staatsschutz eingeschaltet. Da die entsprechende Seite
aber nicht auf einem deutschen Server abgelegt ist, sei der
Zugriff schwierig. Die Ermittlungen dauern an.
(!)Mit
Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, dass noch am Todestage
unseres Ehrenbürgers im Internet Hetzkampagnen gegen
Alexander Lebenstein und unsere Realschule bekannt geworden sind.
Ebenso sind wir geschockt über das Verteilen von Flugblättern
mit antisemitischen Inhalten, in welchen gegen jüdische
Mitbürger/-innen gehetzt wird. Über die Verdienste,
die Alexander Lebenstein nicht nur unserer Stadt erwiesen hat,
kann man nicht dankbar genug sein. Mit seinem beispiellosen
Engagement und seiner Offenheit hat er dafür gesorgt, dass
sich eine wunderbare Freundschaft mit den Bürger/-innen der
Stadt Haltern am See ergeben hat, was aufgrund der Vergangenheit
sicherlich nicht selbstverständlich gewesen ist. Auch der
Einsatz unserer Realschule gegen Rassismus und Antisemitismus
verdient unseren uneingeschränkten Respekt und unsere
Dankbarkeit und muss mit allen Mitteln weiterhin unterstützt
werden. Nicht zuletzt in Gedenken an den außergewöhnlichen
Menschen Alexander Lebenstein wird sich das Halterner Bündnis
gegen Gewalt und Rechtsextremismus weiterhin entschieden für
Demokratie, Toleranz und Menschenrechte einsetzen. Die
abscheulichen Hetzkampagnen rechtsextremistisch Verblendeter
zeigen uns, wie wichtig es ist, weiter für demokratische
Grundwerte einzutreten und deren Gegnern mit allen Mitteln der
Demokratie entgegenzutreten. Auch wir trauern um Alexander
Lebenstein.
05.02.2010
- Gescheiterter Verbotsantrag für NPD-CD stößt auf
Unverständnis
Die
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sieht
keine Möglichkeit zum Verbot einer sogenannten Schulhof- CD
der rechtsextremen NPD. Die Scheibe dürfe deshalb weiterhin
Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht werden, sagte die
Leiterin der Prüfstelle, Elke Monssen-Engberding, am Freitag
in Bonn. Sie bestätigte
damit einen Bericht der Zeitung „Neues Deutschland“.
Die NPD verteilt seit 2004 auf Schulhöfen kostenlos CDs mit
Liedern, in denen Elemente der NS- Ideologie verbreitet werden.
Das LandeskriminalamtNiedersachsen hatte einen Verbotsantrag
gestellt. Jugendschutz und Meinungsfreiheit Es
gehe immer um eine Abwägung zwischen Jugendschutz und
Meinungsfreiheit, sagte Monssen-Engberding. „Die
Bundesprüfstelle darf nichts allein wegen des politischen
Inhalts indizieren.“ Auf der CD werde auch nicht zu Gewalt
aufgerufen. Es sei lediglich so, dass sich ein Sänger darüber
beklage, „dass auf die Rechten draufgehauen wird“.
Dies falle auf jeden Fall unter Meinungsfreiheit. „Wenn
es da jetzt geheißen hätte “Haut auf den oder den
drauf“, das wäre etwas anderes gewesen.“ So aber
seien der Prüfstelle die Hände gebunden. Die CD sei
offenbar von der NPD selbst anwaltlich überprüft worden,
um sicherzugehen, dass sie nichts enthalte, was ein Verbot
rechtfertigen könne. Fremdenfeindliche
Inhalte Das
niedersächsische Innenministerium bedauerte die Entscheidung
der Bundesprüfstelle. „Es ist zunächst auf
Befremden gestoßen, dass die CD nicht als jugendgefährdend
eingestuft wurde“, sagte ein Sprecher. Das Ministerium will
nun die Begründung abwarten und bewerten. Die Sprecherin
des Verfassungsschutzes Niedersachsen, Maren Brandenburger
sagte:„Unabhängig von der Entscheidung, halten wir die
CDs inhaltlich aber sehr wohl für gefährlich.“ In
einigen Texten werde versucht, jugendspezifische Themen mit
fremdenfeindlichen Inhalten zu verknüpfen. „Daher
werden wir auch in Zukunft an Schulen Aufklärungsarbeit
leisten und das Thema bei Schülern und Lehrern ansprechen.“
Eigenregie der Schulen Monssen-Engberding
regte an, dass die Schulen ein Verteilen solcher CDs auf dem
Schulhof in Eigenregie unterbinden. Dafür sei kein Verbot
durch die Bundesprüfstelle erforderlich. Quelle:
dpa/Halterner Zeitung
28.11.2009
- Aktionen gegen Rechts zum Nazi-Aufmarsch im Vest
RECKLINGHAUSEN.
Vom abgeriegelten Hauptbahnhof sind es nur wenige Meter bis zum
Ehrenmal am Lohtor, und doch könnte an diesem verregneten
Samstagmorgen die Stimmung an zwei Orten unterschiedlicher nicht
sein. Den 500 Neonazis bieten Gegendemonstranten bei einer
Kundgebung die Stirn.
 Die
Mahnwache des Koordinierungskreises Recklinghausen für
Toleranz und Zivilcourage am Samstag am Lohtor in Recklinghausen.
Foto: Lutz von Staegmann
Wir
stehen hier, weil es zu einer bunten Vielfalt, zu einem
friedlichen und toleranten Zusammenleben in unserer Stadt keine
Alternative gibt”, begrüßt VHS-Leiter Jürgen
Pohl im Namen des Koordinierungskreises „Recklinghausen für
Toleranz und Zivilcourage” die Anwesenden. Vertreter der
Schulen, Vereine, Parteien, Gewerkschaften, der christlichen,
jüdischen und muslimischen Gemeinden aus dem ganzen Kreis
Recklinghausen stehen entschlossenen beisammen, auch um der
eigenen Hilflosigkeit entgegen zu wirken: „Demokratie heißt
eben, Andersdenkende akzeptieren zu müssen, selbst wenn die
auf dem falschen Weg sind. Nichts desto trotz ist es unsere
Aufgabe heute, mit dieser Mahnwache den richtigen Weg zu zeigen”,
versucht Christos Argiriou, Sprecher des Recklinghäuser
Kinder- und Jugendparlaments in Worte zu fassen, was so viele der
friedlichen Demonstranten hier und heute beschäftigt. Auftrag
und Verpflichtung der Gesellschaft Denn
Akzeptanz fällt schwer, auch und vor allem angesichts der
Worte Harold Lewins. Ganz genau erinnert sich das Mitglied der
jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen an den 9. November
1938. Damals, als er von der Schule heimkam und die Synagoge
brannte, an die lachenden Passanten, an Feuerwehr und Polizei, die
tatenlos zusahen, an verschleppte Nachbarn und gedemütigte
Freunde, an die Konzentrationslager. Mit fester, lauter Stimme
beschwört Lewin die Bilder der Vergangenheit, ein bewegender
Vortrag, der die Brücke schlägt in ein finsteres Stück
deutscher Geschichte.
 Gegendemonstration
in Recklinghausen. Foto: Lutz von Staegmann
Genau
daraus ergeben sich, laut Bürgermeister Wolfgang Pantförder,
Auftrag und Verplichtung unserer Gesellschaft: „Niemals
wieder darf es extremistisches Handeln geben und wir dürfen
nicht aufhören klar zu stellen, dass es in Recklinghausen
keinen Boden gibt für rechtes Gedankengut.” Und harren
sie aus, bei Liedern und Gedichten, bei afrikanischen Trommeln und
türkischer Laute, setzen dem braunen Brei die bunte Vielfalt
entgegen. „Wir sind heute hier mit dabei, weil wir es
einfach wichtig finden, dass man sich gegen Rechte einsetzt”,
erzählt die 16-jährige Denise, Schülerin der
Wolfgang-Borchert Gesamtschule in Recklinghausen. Eine von vielen
Jugendlichen, die den Weg zum Ehrenmal gefunden hat. Auch die
Mitglieder der Jungen Sozialdemokraten sind mit von der Partie,
verteilen Schokoladengebäck an die Besucher: „Hau weg
die braune Scheiße”, erklärt der 21-jährige
Rouven grinsend und fügt hinzu: „Ein kleiner Spaß.
Wir nehmen diese Veranstaltung sehr ernst und freuen uns, dass die
Resonanz so groß ist. Hoffentlich werden so noch viel mehr
junge Leute motiviert, etwas zu tun.” Platzverweise Etwa
500 rechtsorientierte Personen nahmen nach Angaben der Polizei an
der Demonstration teil. Gruppierungen aus dem linken Spektrum
versuchten immer wieder, die Demo zu stören. Dies unterband
die Polizei konsequent, direkte Konfrontationen gab es keine. Im
Verlauf des Tages waren im Zusammenhang mit dem Aufzug Rechts und
den Gegenaktionen Personalienfeststellungen und 141 Platzverweise
erforderlich. Darüber hinaus kam es zu einer Strafanzeige
wegen Beleidigung. Auch die für die Banhöfe zuständige
Bundespolizei erteilte 278 Platzverweise. Quelle: WAZ/Müller
24.11.2009
- Mahnwache am Lohtor - Mit kultureller Vielfalt gegen Nazis
RECKLINGHAUSEN
Für Samstag, 28. November, haben Neonazis einen Umzug in
Recklinghausen angemeldet. Der Koordinierungskreis für
Toleranz und Zivilcourage hält dagegen: Von 10 bis 14 Uhr
wird am Lohtor die Mahnwache gehalten, alle Bürger sind
aufgerufen, Flagge gegen Rechts und für die Demokratie zu
zeigen.

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Am
Lohtor-Mahnmal - hier ein Bild von "Recklinghausen
leuchtet" - treten Bürger am Samstag für
Toleranz und kulturelle Vielfalt ein. Foto: J. Gutzeit
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Wer
wissen will, wie die Nazis mit Menschen umgegangen sind, kann am
Samstag Harold Lewin zuhören. Er ist Mitglied der jüdischen
Gemeinde und einer der letzten Holocaust-Überlebenden. Am
Samstagmorgen spricht Lewin bei der Mahnwache am Lohtor, Titel:
„Für Toleranz und kulturelle Vielfalt“. Es gibt
Musik und Texte – Gedichte und Reden, die sich mit dem Thema
auseinandersetzen. Stadtspitze, Kirchen, Gewerkschaften und
Parteien Schulen und Verbände – die Mahnwache „Toleranz
und kulturelle Vielfalt“ ruht auf vielen Schultern. Die
Wahl des Ortes für die Mahnwache kommt nicht von ungefähr.
VHS-Leiter Jürgen Pohl gehört zu den Organisatoren aus
der Koordinierungskreis für Toleranz und Zivilcourage.
Absolut
unerwünscht Er
ist sich mit Bürgermeister Wolfgang Pantförder und
Dezernent Georg Möller einig, wenn er sagt: „Nazis sind
absolut unerwünscht. Wir wollen am Mahnmal am Lohtor ein
Zeichen setzen. Einem Ort, der eine Wandlung vom Kriegergedenken
zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer Gewalt und Terror erfahren
hat.“
Quelle:
Halterner Zeitung
(!)Die
Polizei schaltet am Dienstag, 24. November, ab 8 Uhr im
Zusammenhang mit dem Nazi-Umzug am Samstag ein Bürgertelefon
frei. Unter der Rufnummer (0800) 2 36 11 00 (kostenlos)
können Informationen abgerufen werden.
06.11.2009
- Sternmarsch
Gestützt
auf ein Bündnis von Institutionen, Parteien und Verbänden
setzten am Freitag 150 Menschen ein deutliches Zeichen gegen
rechtsextreme Gewalt.
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150
Teilnehmer waren dem Aufruf des "Bündnisses gegen
Gewalt und Rechtsextremis-mus" gefolgt. Zu wenig für
einen Sternmarsch. Foto: Irene Stock
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Unter
ihnen waren Vertreter von DGB, Verdi, die stellvertretende
Bürgermeisterin Hiltrud Schlierkamp (CDU) sowie
Bundestagsabgeordneter Michael Groß (SPD). Zu dem lokalen
Schulterschluss hatte das „Bündnis gegen Gewalt und
Rechtsextremismus“ eingeladen. Anlass war, den Aktivitäten
Autonomer Nationalisten in Haltern, aber auch den Nachbarstädten
schon im Vorfeld zu begegnen. „Ihre Teilnahme zeigt uns,
dass Sie alle für eine demokratische Stadt Haltern sind“,
sagte Heike Brüggemann, die das Bündnis 2001 gründete,
vor dem Alten Rathaus. Parolen, Schmierereien, Aufkleber und
Aufrufe, an der Demonstration von Rechtsradikalen Ende November in
Recklinghausen teilzunehmen, dürfe es in Haltern nicht
geben. 150 Teilnehmer Einerseits überraschte es
die Organisatoren des Sternmarsches nicht, dass nur 150 Teilnehmer
kamen. „Wir haben damit gerechnet, dass es deutlich weniger
sind als im letzten Jahr“, so Bündnissprecher und
Grünen-Ratsmitglied Frank Lackmann. In 2008 erklärten
sich rund 350 Halterner solidarisch mit den Zielen des Bündnisses,
nachdem es 14 Tage zuvor zu Ausschreitungen mit rechten
Jugendlichen am Bahnhof gekommen war. Andererseits frustrierte es
die Organisatoren am Freitag, dass in einer Stadt, die knapp
40.000 Einwohner hat, sich nur 150 auf den Weg machten. Deswegen
disponierten sie kurzfristig um und verzichteten auf einen
Sternmarsch. Keine Reden, dafür Live-Musik Die
Polizei begleitete den Marsch von der Muttergottesstiege zum
Marktplatz. Es gab einige Banner, auf denen mit großen
Lettern „Haltern zeigt Flagge“, „Toleranz“
und „Demokratie“ stand. Politiker hielten keine Reden,
stattdessen gab es Live-Musik der Band „Insite“ und
alkoholfreien Glühwein. Es war ein politisch neutraler
Protest - was einigen Teilnehmern wohlwollend auffiel. Das
Engagement des Bündnisses dürfe nicht für
parteipolitische Interessen genutzt werden, so CDU-Ratsmitglied
Wolfgang Ulke. Gewalt habe nichts mit politischen Sichtweisen zu
tun. Die Anwesenheit der Antifa und Lieder wie „Wir sind
Deserteure“ hatten bei Demo-Teilnehmern im vergangenen Jahr
zu Unmut geführt. Quelle: Halterner Zeitung
08.03.2009
- Mobil gegen Rechts
Rechtsextremismus
ist seit einiger Zeit wieder ein aktuelles Thema in Haltern. Das
Bündnis gegen Rechts will sich auch aufgrund der aktuellen
Anlässe verstärkt für Demokratie und Toleranz stark
machen.
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»Dieser
Nazi-Spruch und diverse Hakenkreuz-Schmierereien sind gezielte
Angriffe auf Halterner Bürger mit Migrationshintergrund«,
so Bündnis-Sprecher Lackmann. Foto: Guido Schulmann
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Die
rechten Übergriffe haben die Bündnis-Mitglieder sehr
erschüttert. „Wenn Jugendliche angegriffen und verletzt
werden“, sagt Bündnis-Sprecher Frank Lackmann“,
dann sollte das zu denken geben.“ Aktionen in
Planung Deswegen plant das Bündnis gegen Rechts in der
nahen Zukunft diverse Aktionen. Damit will sich die Gruppe aber
nicht gegen bestehende Angebote von Stadt und Vereinen stellen,
sondern zusätzliche Veranstaltungen schaffen, bei denen der
Demokratie-Gedanken im Fokus steht. „Die Resonanz in der
Bevölkerung, sich gegen Rechts zu stellen, ist da“,
haben die Bündnis-Mitglieder gemerkt. Der Sternmarsch vor
einigen Monaten habe gezeigt, dass sie Leute nicht wegschauen,
sondern aktiv handeln wollen. Aus diesem Grund hat sich das
Halterner Bündnis professionelle Verstärkung geholt.
Gemeinsam mit der Mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster
– Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie (kurz: mobim)
wollen sie schon bald eine Informationsveranstaltung organisieren,
zu der jeder Interessierte herzlich eingeladen ist.
Aussteiger-Möglichkeit „Die
Autonomen Nationalisten haben sich gut vernetzt und bilden mit
Marl auch eine große rechte Szene – dagegen will sich
das Bündnis stark machen. Zudem legen wir großen Wert
auf das Thema Aufklärung. Vor allem wenn es um
Aussteiger-Möglichkeiten geht. Wir brauchen eine
überregionale Anlaufstelle wie Exit“, betont Lackmann
und fordert des Weiteren eine bessere Polizeipräsenz in
Halten – „die Wache muss auch nachts besetzt
sein.“ Zusammenarbeit Dabei
setzt das Bündnis auf eine Zusammenarbeit mit der Politik,
dem Jugendamt und den Schulen. Die Organisation mobim steht ihnen
dabei zur Seite. Deren Anliegen ist es, eine Auseinandersetzung
mit den verschiedenen Formen des Rechtsextremismus zu fördern.
Dabei beraten sie das Bündnis in Haltern. Wer Interesse hat,
sich ebenfalls gegen Rechts stark zu machen und dem Bündnis
anzuschließen, kann sich per Mail mit den Bündnis-Sprechern
Frank Lackmann und Heike Brüggemann in Verbindung
setzen: haltern-zeigt-flagge@gmx.de Quelle:
Halterner Zeitung
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