Halterner
                                       
gegen Gewalt und Rechtsextremismus - für Toleranz und Demokratie
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© haltern-zeigt-flagge 2009-10

 

30.11.2011 - Interview der Woche: Haltern zeigt Flagge gegen Rechtsextremismus

HALTERN "Jeder Extremist ist schon einer zu viel", sagt Heike Brüggemann vom Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Die Serienmorde der Zwickauer Zelle haben sie erschüttert, eine konkrete Gefahr für Haltern sieht sie jedoch derzeit nicht. Die Redakteurin der Halterner Zeitung, Elisabeth Schrief, sprach mit der Sprecherin des Halterner Bündnisses.

Die Täter von Zwickau hatten ein Netzwerk von Helfern und Sympathisanten. Muss die Polizei den Fokus auch auf eine Halterner Szene richten?
In Haltern sehe ich persönlich keinen Anhaltspunkt. Aufkleber, wie noch kürzlich im Marienhof, gehören leider Gottes zum Alltag. Ab und an beobachten wir am Bahnhof autonome Nationalisten. Wenn uns vom Bündnis etwas Verdächtiges auffällt, wenden wir uns sofort an die Polizei. Auch für Hinweise aus der Bevölkerung sind wir immer dankbar. Wir arbeiten ebenso eng mit mobim, der „mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster gegen Rechtsextremismus, für Demokratie“ zusammen. Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe an. Eine Gefahr sehe ich grundsätzlich weniger in jenen Neonazis oder autonome Nationalisten, die mit ihren Taten prahlen. Viel gefährlicher ist das, was – wie jetzt in Zwickau – im Verborgenen geschieht. Oft stecken intelligente Menschen dahinter, die es eigentlich besser wissen müssten.
Wie reagiert das Bündnis auf die rassistische Mordserie?
Das Vorgehen der Täter aus Zwickau ist erschreckend. Deshalb ist es wichtig, dass über Gründe und Hintergründe nachgeforscht wird. Wir in Haltern beobachten im Moment die Entwicklung, sehen aber keinen direkten Handlungsbedarf vor Ort.
Hat es Sie bestürzt, dass die rechtsextremistischen Hintergründe dieser Morde über einen langen Zeitraum unentdeckt blieben?
Das hat mich sehr erstaunt. Erst nach vielen Jahren ist die Polizei in der Lage, Zusammenhänge herzustellen. Gut, dass die Morde aufgeklärt sind. Mir tun die Familien leid. Sie hatten sich mit dem Tod ihrer Angehörigen abgefunden und werden jetzt erneut mit dem schmerzlichen Erlebnis konfrontiert. Niemand hatte vermutet, dass die Neonazi-Szene damit in Verbindung steht.
Kürzlich organisierte das Bündnis wieder einen Sternmarsch durch die Stadt. Die Beteiligung ließ zu wünschen übrig. Fühlen Sie sich trotzdem akzeptiert?
In der Vergangenheit ist uns aufgefallen, dass die Beteiligung am Sternmarsch nachlässt, wenn es keinen aktuellen Vorfall in Haltern gibt. Dann ist es schwierig, die Bürger für Aktionen zu mobilisieren. Aber umso wichtiger ist, kontinuierlich zu demonstrieren. Wir müssen zeigen, dass wir da sind, wenn etwas passiert, aber auch wenn nichts passiert. Überregional ist der Rechtsextremismus eben doch immer ein Thema. Wir hören es gerade wieder von Dortmund. Dankbar waren wir für die Teilnahme von Landrat Cay Süberkrüb. Das gibt unseren Aktionen Gewicht.
Was tut das Bündnis sonst?
Wir beobachten die Szene, stellen uns mit Infoständen in die Stadt, verteilen Flyer mit unserem Leitbild, laden Jugendliche zu Informationsveranstaltungen, Gesprächsrunden oder zu Fahrten z.B. zum Gestapo-Gefängnis nach Dortmund ein. Wir informieren und klären auf. Wichtig ist, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Wir halten schon engen Kontakt zu den weiterführenden Schulen und wollen diesen aber noch intensivieren. Dazu wollen wir die sozialen Netzwerke nutzen. Ich bin überrascht, wie wichtig das geworden ist. Auch Rechte und Linke sind über Facebook vernetzt. Wir als Bündnis wollen aufpassen, dass Jugendliche nicht in die Falle geraten.
In Ihrem Bündnis-Titel stellen Sie sich gegen Rechtsextremismus. Ist linker Extremismus nicht eine vergleichbar große Gefahr?
Rechtsradikalismus bildet bei unserer lokalen Arbeit einen Schwerpunkt. Aber natürlich schauen wir auch nach links. Die linke Szene ist bislang zumindest in Haltern nicht durch Gewalt aufgefallen. Das Wichtigste für uns ist, dass in Haltern alle Menschen, egal welcher Herkunft, friedlich zusammenleben können. Wir stehen für Demokratie und diese Toleranz ein.
Quelle: Halterner Zeitung/Schrief

 

 

16.11.2011 - Ausgrenzung durch Sprache

Deutsche und Döner

Die Politik sorgt sich wegen des Nazi-Terrors um den guten Ruf des Landes - mit Recht: Ausländerfeindlichkeit und Rassismus sitzen tief in der deutschen Gesellschaft. Das zeigt nicht zuletzt der unselige Begriff von den "Döner-Morden", meint Stefan Kuzmany von SPIEGEL-ONLINE.

Was war Deutschland doch für ein glückliches Land! Unverkrampft. Herzlich. Aufgeschlossen gegenüber den Menschen aus der ganzen Welt, die sich "zu Gast bei Freunden" fühlen sollten. Endlich schien es überwunden, das Image der Ausländerfeindlichkeit. Das war im Sommer 2006, zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.
Zwei Monate vor Beginn der Freundlichkeitsfestspiele in Schwarz-Rot-Gold war Halit Y. in seinem Internet-Café in Kassel ermordet worden, hingerichtet mit zwei Kopfschüssen. Mit Fremdenhass mochte das damals niemand in Verbindung bringen - kein Ermittler, kein Politiker, kein Journalist.
Auch nach diesem neunten Mord fehlte damals von den Tätern jede Spur. Die Opfer waren Schneider, Kioskbesitzer, betrieben einen Schlüsseldienst oder einen Gemüsehandel, nur zwei Opfer arbeiteten in einem Döner-Laden, doch namensgebend für die Mordserie war der türkische Imbiss dennoch: "Döner-Morde" wurden und werden sie genannt - auch auf SPIEGEL ONLINE.

Herablassend, klischeebeladen und ausgrenzend

Der Begriff "Döner-Morde" ist ein trauriger Beweis für den latenten Rassismus der deutschen Gesellschaft - auf drei Ebenen. Zunächst bedeuten "Döner-Morde" eine herablassende Gleichsetzung und Entmenschlichung: Die Opfer werden allesamt zum "Döner" gemacht, als hätten sie keine Namen, als hätten sie keine Berufe. Man stelle sich eine ähnliche Mordserie mit vornehmlich italienischen Opfern vor - würden wir sie dann "Spaghetti-Morde" nennen? Und welch Aufschrei ginge durch Politik und Presse, würden in der Türkei serienmäßig deutsche Staatsbürger ermordet und man spräche dort von "Kartoffel-" oder "Sauerkraut-Morden"? Kaum auszudenken.
Zum Zweiten bedient der Begriff das Klischee der Ausländerkriminalität. Mit der Aufklärung der Mordserie beschäftigt war eine Polizeikommission unter dem bezeichnenden Namen "Bosporus", und deren lange gehegte Täter-Theorie, wie auch die der Presse, war vermeintlich nahe liegend: Irgendwelche organisierten Kriminellen aus der Türkei oder sonst woher hätten da wohl ihre Schutzgeld- und/oder Drogenstreitigkeiten blutig ausgetragen. Die Opfer seien irgendwie in finstere Machenschaften verwickelt gewesen, und dass man dieses Netz finsterer Machenschaften nicht zu identifizieren vermochte, sprach allzu lange nicht gegen dessen Existenz, sondern eher für die heimtückische Tarnung dieses phantasierten Netzwerks von kriminellen Zuwanderern.
Die dritte Ebene des Begriffs "Döner-Morde" ist die damit zusammenhängende, aber noch viel tiefer reichende Ausgrenzung von Zuwanderern: Den deutschen Zeitungsleser konnte es wohlig gruseln, las er im Sonntagsblatt von der Mordserie, so wie die beiden Bürger, die Johann Wolfgang von Goethe in seinem "Faust" über ihre liebste Wochenendbeschäftigung sprechen lässt: "Wenn hinten, weit, in der Türkei/ Die Völker aufeinander schlagen/ Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus/ Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten;/ Dann kehrt man abends froh nach Haus,/ Und segnet Fried' und Friedenszeiten." Alles so schön weit weg. Das war ungemein beruhigend für die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Sollen sich die doch gegenseitig umbringen, sie gehören ja sowieso nicht zu uns, also ist uns das Morden eigentlich egal. Wir haben nichts damit zu tun: "Sie mögen sich die Köpfe spalten,/ Mag alles durcheinander gehn;/ Doch nur zu Hause bleib's beim alten."

"Bis zur letzten Patrone"

Verdrängen, wegschauen und ablenken, das war und ist das Mittel der Wahl, wenn sich in Deutschland der Rassismus zeigt. Niemand sagt etwas, wenn in Greifswald eine Frau im Supermarkt angespuckt wird, weil sie asiatisch aussieht. Wenn sich an der Feinkosttheke mitten in Berlin eine andere ausländisch aussehende Frau versehentlich von der falschen Seite anstellt, dann nicken die gut situierten Kunden zustimmend, wenn die Verkäuferinnen in einen demonstrativen Dialog darüber eintreten, dass es sich "bei uns" gehöre, ordentlich zu warten, in "anderen Ländern" sei das "wohl anders". Und wenn sich in Bayern eine Frau darüber beschwert, die Post sei schon wieder so spät eingetroffen, weil die seit neuestem "ein Neger" austrage, dann wundert sie sich, wenn man sie rassistisch nennt - und weist es weit von sich.
Nach einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2010 hegt etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung die Vorstellung, das Land sei "durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maße überfremdet". Man solle, wenn die Arbeitsplätze knapp werden, "die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken" - welche ja sowieso nur hierher gekommen seien, "um unseren Sozialstaat auszunutzen". Angela Merkel spricht angesichts der Nazi-Mordserie von einer "Schande" für Deutschland. Recht hat sie. Eine Schande ist es aber auch, dass sie mit einer Partei koaliert, deren Vorsitzender Horst Seehofer noch im März dieses Jahres seinen Anhängern zurief: "Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren - bis zur letzten Patrone."
Sprache bestimmt das Denken, und aus dem Denken entstehen Taten. Darum sind gedankenlose Worte gefährlich. Wir wissen jetzt, wer die neun Männer aus der Türkei und Griechenland umgebracht hat: es waren Deutsche, ihr Motiv war Ausländerhass. Nennen wir ihre Taten beim richtigen Namen.

 

 

04.11.2011 Sternmarsch mit Landrat

Auch in diesem Jahr fand wieder unser traditioneller Sternmarsch durch die Halterner City statt.  Am 04.11.11 um 18 Uhr trafen sich rund 100 Teilnehmer an der Muttergottesstiege, die die Rekumer Straße hinunter zogen zum Marktplatz. Im Anschluss  fand eine Kundgebung vor dem Alten Rathaus statt. Als Redner trat unser Landrat Cay Süberkrüb auf, musikalischer Höhepunkt war die Schülerband "Plain Cooking". Für die sich anschließende Gesprächsrunde standen warme Getränke bereit.

Foto: Bianca Glöckner, Halterner Zeitung

 

 

02.11.2011 - Autonome Nationalisten überziehen Marienhof mit Aufklebern

In der Nacht zum Montag überzogen Mitglieder der so genannten AG Ruhr-Mitte den Marienhof mit Aufklebern, die zum nationalen Widerstand aufrufen. Die Anwohner ärgern sich über fremdenfeindliche Aussagen und Sachbeschädigungen an Fensterscheiben und Hinweisschildern. Die Polizei wurde eingeschaltet, die Sachbeschädigung protokolliert und an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter geleitet. Polizei-Pressesprecher Michael Franz verharmlost wieder einmal die Aktivitäten der Autonomen Nationalisten  in Haltern am See: Die rechtsradikalen Aktivisten seien bekannt und ständen unter Beobachtung. In Haltern habe die AG Ruhr-Mitte nur einen kleinen Anhängerkreis, von einer festen Szene könne man nicht sprechen.
Um so wichtiger erscheint es, beim Sternmarsch am 4. November das richtige Zeichen zu setzen und den fremdenfeindlichen Aktivitäten durch zahlreiche Teilnahme etwas entgegenzusetzen.

 

 

13.08.2011 - Infostand des Bündnis' auf dem Halterner Büchermarkt

Anlässlich des diesjährigen Büchermarktes in der Innenstadt machte das Halterner Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus - für Toleranz und Demokratie darauf aufmerksam, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland das Grundrecht auf Meinungsfreiheit und Pressefreiheit genießen.

Das ist nicht selbstverständlich: Die meisten Menschen der Welt können davon nur träumen: Gerade starben Menschen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien und vielen anderen Ländern im Kampf gegen staatliche Unterdrückung und für das Recht auf freie Meinungsäußerung.
Auch in Deutschland war lange Zeit das krasse Gegenteil Realität: Freie Meinungsäußerung war in der Nazidiktatur in höchstem Maße lebensgefährlich. Bücherverbrennung und die Brandmarkung vieler Kunstwerke als "entartet" waren nur zwei äußere Aspekte der totalen Gleichschaltung der Öffentlichkeit.

In der DDR wurde schon die vermutete Regimegegnerschaft mit dem Entzug gesellschaftlicher Möglichkeiten, wie Berufsverbot, Verlust des Studienplatzes, Verlust der Wohnung oder ähnlichen Repressalien verfolgt, die Maßnahmen des Regimes schlossen auch Inhaftierung und Folter ein.
GeStaPo und StaSi waren in ihrer jeweiligen Zeit übermächtige und allgegenwärtige Instrumente des Staatsterrors gegen die eigene Bevölkerung.

Unser Grundgesetz schützt sogar diejenigen, die es ablehnen und beseitigen wollen.
Wir rufen daher dazu auf, abfällige Äußerungen zu unserer Demokratie zu hinterfragen, nicht an die einfachen Rezepte der Besserwisser zu glauben und bei allen Schwierigkeiten immer daran zu denken, wie gut es uns heute geht im Vergleich zu den Zeiten, als Monarchen oder diktatorische Regime an der Macht waren.

 

18.04.2011 - Verfassungsschutz-Daten

Zahl gewaltbereiter Neonazis steigt stark an

Neonazis bei Demonstration: Erstarken der Gewaltbereiten

Radikale Neonazis sind auf dem Vormarsch: In Deutschland gibt es laut Verfassungsschutz immer mehr gewaltbereite Rechtsextreme, im vergangenen Jahr wuchs ihre Zahl um 600 auf jetzt 5600 an. Insgesamt schrumpft die rechtsextreme Szene aber - die NPD verliert weiter Mitglieder.

Osnabrück - Die Zahl gewaltbereiter Rechtsextremisten in Deutschland ist im Vorjahr nach Einschätzung des Verfassungsschutzes deutlich gestiegen. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die gewaltbereite Neonazi-Szene ist stärker geworden. Sie ist 2010 erneut um 600 auf 5600 Personen gewachsen." Im Jahr 2000 waren es nach Angaben Fromms noch 2200 Neonazis.

"Auch die Autonomen Nationalisten, die bei Aufmärschen immer wieder durch Gewalt in Erscheinung treten, haben unverändert Zulauf", sagte der Chef des Verfassungsschutzes. "Bei dieser Gruppe war im vergangenen Jahr ein Anstieg von zuvor 800 auf 1000 Personen zu verzeichnen."

Die Gesamtzahl der Rechtsextremisten in Deutschland ist nach den aktuellen Erkenntnissen des Geheimdienstes aber rückläufig. Die Zahl sei 2010 um 1600 Anhänger auf rund 25.000 zurückgegangen, sagte Fromm. Auch der Mitgliederverlust bei der rechtsextremen NPD setzt sich fort. "Die Partei hat Ende 2010 noch 6600 Mitglieder gehabt. Das sind 300 weniger als im Jahr zuvor und 600 weniger als zu den besten Zeiten der NPD im Jahr 2007."

Auch die Fusion mit der rechtsextremen DVU werde nicht zu einer nennenswerten Erhöhung des Mitgliederbestandes führen, vermutet der oberste Verfassungsschützer. Fromm warnte zugleich davor, die Aktionsfähigkeit der NPD zu unterschätzen.

Insbesondere der Misserfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 20. März habe die Partei getroffen. "Aber trotzdem ist die NPD, wie der bevorstehende Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern zeigen wird, handlungsfähig." Sie verfüge über Strukturen im kommunalen Bereich und werde wieder auf Unterstützung von Neonazis rechnen können. "Ein Wiedereinzug in den Landtag erscheint aus heutiger Sicht nicht unrealistisch", sagte Fromm.

anr/dpa/dapd , Spiegel Online

 

28.10.2010 - Rechtes Gedankengut: Aufkleber versetzen Bürger in Rage

HALTERN. Seit Wochen ärgert sich eine Bürgerin über Aufkleber mit rechtsradikalen Parolen, die vornehmlich im Wohngebiet zwischen Römer- und Holtwicker Straße, aber auch am Hennewiger Weg auf Laternenpfählen, Zäunen und Hauswänden aufgebracht werden.
Schon gleich nach den Sommerferien waren der Mutter bei einem Fußweg von der Martin-Luther-Schule die ersten runden Schildchen aufgefallen. Munter geht es seitdem weiter.
Aufkleber abknibbeln
Die Familie versucht, das rechtsradikale Gedankengut von Halterns öffentlichen Straßen zu knibbeln. Doch angesichts der Fülle und der festen Klebeschicht ist ihr Erfolg nur dürftig. Der neueste Aufkleber trägt die Aufschrift „Gegen die Islamisierung Europas – Deutschland den Deutschen“ und versetzte die Halternerin so richtig in Rage.
Das Ausmaß ihrer Besorgnis wird von der Polizei allerdings nicht geteilt. In der Vergangenheit sei es in Haltern immer wieder zu derartigen „Phänomenen“ gekommen, bestätigte der Recklinghäuser Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber.
Linke Gruppen
Auch linke Gruppen oder Personenkreise mit einem fußballbezogenen Hintergrund gehörten zu den Urhebern. Dass zurzeit vermehrt rechtsradikale Inhalte Verbreitung finden, deute nicht auf eine Zusammenballung dieser Anhänger in Haltern hin. Die Aufkleber könnten sehr schnell von wenigen Personen verteilt werden.
Keine Volksverhetzung 
Der Staatsschutz habe die Lage im Blick, die im übrigen auch in anderen Städten des Kreises zu beobachten sei. Es würden immer wieder Fotos von den Fundorten gemacht und Bewertungen vorgenommen. Im Fall des aktuellen Aufklebers handelt es sich nach Auskunft des Staatsschutzes inhaltlich nicht um ein Vergehen von strafrechtlichem Belang beziehungsweise um Volksverhetzung.
Sachbeschädigung
Allerdings könnte man die Urheber wegen Sachbeschädigung anzeigen. Wichtig für die Polizei sei es, dass sich Zeugen melden, die Personenhinweise geben können. Absolute Vertraulichkeit werde zugesichert. Die Leserin indes, die nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen möchte, ist sich sicher, dass ihre Nachbarn aus Angst Stillschweigen bewahren. Zu dieser Situation passe der Fakt, dass die Halterner Polizeiwache nachts verwaist ist.
Quelle: Halterner Zeitung/Wiethoff

 

27. 08.2010 - Überfall auf „Hirsch Q“ : Eskalation der Gewalt durch Neonazis

 

 

 

 

 

 

 

Gestern Nacht nahm die Polizei fünf Verdächtige aus dem rechten Spektrum fest. Foto: videonews24

DORTMUND. Während sich Dortmunds Polizei auf einen ihrer größten Einsätze vorbereitet, das Demogeschehen rund um den 4. September, haben erneut vermummte Neonazis die linke Szene-Kneipe „Hirsch Q“ an der Brückstraße überfallen.
Wie im vergangenen Jahr auch haben zahlreiche Gruppierungen, Institutionen, Gewerkschaften und Vereine, in engem zeitlichem Zusammenhang zum Antikriegstag (1. September), für den 3., 4. und 5. September Demonstrationen angemeldet. „Durch die Demonstrationen werden die Innenstadt, die nördliche Innenstadt und Dorstfeld unmittelbar betroffen sein“, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Wieland. „Verkehrsbeeinträchtigungen bei der Durchführung der Versammlungen sind zeitweise zu erwarten.“
Zur unmittelbaren Information der Bevölkerung, insbesondere auch der Besucher in den erwähnten Bereichen, wird die Polizei Dortmund ab Samstag an stark frequentierten Örtlichkeiten in der Zeit von 9.30 Uhr bis 15.30 Uhr Informationsstände einrichten. Ab dem 2. September wird die Behörde zudem ein Bürgertelefon schalten.
Bei weit über 30 Veranstaltungen wollen Dortmunds Bürger zeigen, dass sie die Nazis satt haben. Getreu dem Motto „Je mehr Platz wir einnehmen, desto weniger Platz haben die Nazis“ werden diese im gesamten Stadtgebiet durchgeführt. Zu der einen oder anderen Veranstaltung wird auch Bundesprominenz erwartet. So wird Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, an der Kundgebung gegen den Nazi-Aufmarsch des Arbeitskreises Dortmund gegen Rechtsextremismus in der Nordstadt teilnehmen.
Kühlen Kopf bewahren
Mit Entsetzen reagierten Friedrich Stiller (VKK) und Jutta Reiter (DGB) vom Arbeitskreis auf den Angriff auf die „Hirsch Q“. „Wir rufen die Polizei auf, in diesen Tagen besonders aufmerksam zu sein“, so Reiter und Stiller. „Wir mahnen vor allem Jugendliche, einen kühlen Kopf zu behalten und gewaltfrei zu protestieren.“ Diese Tat, so Reiter, reihe sich deutlich ein in eine Reihe von ähnlichen Angriffen gegen bekennende Nazigegner und demokratische Einrichtungen.
In der Nacht hatten zwanzig Vermummte Steine und Flaschen auf die „Hirsch Q“ geworfen. Die Gäste setzten sich zur Wehr. Es kam zu einer Schlägerei zwischen rund 60 bis 70 Personen. Auch Pfefferspray, so die Polizei, wurde eingesetzt. Bevor die Polizei anrückte, konnten die Angreifer fliehen. Fünf wurden jedoch im Bereich des Hauptbahnhofs festgenommen. Es gab drei Leichtverletzte.
Bereits am Montag hatten vermummte Rechtsradikale die Teilnehmer der Montagsdemo in Marl angegriffen, die dafür geworben hatten, in Dortmund gegen die Nazis auf die Straße zu gehen.
Quelle: WAZ/derwesten/Winkelsträter

 

25.08.2010 - Rechte Gewalt : Rechte greifen Montagsdemo an

Als Hartz IV-Gegner am Montag in der Hülser Fußgängerzone demonstrierten, warfen Vermummte mit Feuerwerkskörpern und skandierten rechte Parolen.

MARL. Sie hätten ja damit gerechnet, dass sie Besuch von Neonazis bekommen würden. Udo Lindnau aus dem Organisationsteam der Montagsdemo sagte das am Mittwoch auf Nachfrage der WAZ: „Das ist immer der Fall, wenn wir antifaschistische Inhalte thematisieren.“ Am Montag war es wieder so. Wöchentlicher Schauplatz der von den Hartz IV-Gegnern initiierten Demo ist seit Jahren die Fußgängerzone in Marl-Hüls. Auf der Agenda stand an diesem Tag u.a. das Werben für die antifaschistische Demonstration, die am 4. September in Dortmund unter dem Motto „Dortmund stellt sich quer! Sie werden nicht durchkommen“ durchgeführt werden soll. Neonazis planen dort, den Antikriegstag am 1. September, der an den Beginn des 2. Weltkrieges durch das Hitler-Regime erinnert, mit dem „6. nationalen Antikriegstag“ zu beantworten.
Polizei bestätigt Einsatz
In Hüls prallten beide Gruppen nicht direkt aufeinander. Lindnau schildert: „Die Neonazis standen vermummt einige Meter entfernt. Sie kamen von der Hülsstraße, skandierten rechtsradikale Parolen und zündeten Feuerwerkskörper an, die sie dann in unsere Richtung warfen.“ Die Hartz IV-Gegner, die angesichts der Erfahrungen an diesem Montag mit einer größeren Gruppe als sonst üblich vertreten waren, berichten von erschrockenen Passanten.
Die Polizei bestätigte den Einsatz in der Fußgängerzone. Ein Sprecher sagte, dass die Beamten nach ihrem Eintreffen weder vor Ort noch in der Umgebung jemanden angetroffen hätten. Dabei wollen es die Moderatoren der Montagsdemo aber nicht belassen. Sie hatten schon in der Fußgängerzone am so genannten offenen Mikro das Verbot der Neonazis und ihrer Propaganda gefordert und kündigen an, nun auch noch eine Strafanzeige stellen zu wollen.
Quelle: WAZ/derwesten/Pothoff

 

Juli 2010 - Das Halterner Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus -
                   für Toleranz und Demokratie gratuliert der deutschen Fußball-
                   Nationalmannschaft zum 3. Platz bei der WM 2010 in Südafrika



Liebe Nationalmannschaft,
herzlichen Dank für Eure sportliche Höchstleistung, den fairen Wettkampf und den großartigen 3. Platz bei der WM 2010!
Die ganze Welt hat gesehen, wie Euer Fußball 'made in Germany' bei dieser WM begeistert und verzaubert hat. Hättet Ihr den Titel geholt - die Welt hätte es Euch gegönnt!

Ihr habt Deutschland nicht nur würdig vertreten, sondern ein leuchtendes Beispiel vollendeten Mannschaftsgeistes abgegeben. Damit habt Ihr ganz neue Sympathien für Deutschland im In- und Ausland geweckt. In diesem Sinne sind wir stolz auf Euch und schwenken jubelnd unsere deutschen Fähnchen.

Integration und Zusammenhalt unter verschiedenen Menschen fällt nicht vom Himmel, sondern muss erarbeitet werden.
Ihr habt uns gezeigt, dass es geht und welch fantastisches Ergebnis daraus entstehen kann. Das ist vielleicht die wertvollste Eurer Leistungen.

Mögen noch viele weitere große Erfolge daraus entstehen!

 

Mai 2010 - Landtagswahl NRW 2010:
                   Gemischtes Ergebnis für die Stadt Haltern am See

Positiv ist zuerst festzustellen, dass die extrem rechten Parteien in Haltern keinen einzigen Kandidaten für die Wahl aufgestellt haben. Sie konnten daher keine Erststimmern erhalten, demzufolge beschränkt sich die weitere Betrachtung auf die Zweitstimmen.

Näher angesehen haben wir uns die Ergebnisse der NPD, der Republikaner (REP) und von proNRW, die aus unserer Sicht sämtlich dem äußerst-rechten Spektrum zuzurechnen sind. Möglicherweise gab es weitere Parteien, die man als extrem rechts ansehen kann, diese hatten zahlenmäßig aber überhaupt kein Gewicht und wurden nicht betrachtet.

Prozentual, das ist die gute Nachricht, haben die Rechtsausleger in Haltern am See auch 2010 keine Bedeutung gehabt (Summe der drei Parteien: 1,34%).

Gegenüber der NRW-Landtagswahl 2005 haben sowohl NPD als auch REP starke Stimmenanteile verloren, jedoch hat proNRW, die zum ersten Mal antrat, die höchste Stimmenzahl der drei Parteien am rechten Rand erhalten.

Damit ist in Haltern am See die Gesamtzahl der Wähler rechts außen gegenüber 2005 von 202 auf 276 sprunghaft gestiegen.

Wahlergebnis Haltern am See, Zweitstimmen gesamt

Name

Stimmen 2010

Stimmen 2005

Stimmenanteil 2010

NPD

70

116

0,34%

REP

54

86

0,26%

proNRW

152

0

0,74%

Quelle: http://wahlen.kreis-re.de/lw2010 (Textversion auswählen)

Uns hat darüber hinaus interessiert, ob es in Haltern eventuell Wahlbezirke gibt, in denen besonders viele oder besonders wenige Wähler rechtsextrem gewählt haben:

Die Unterschiede der Stimmenanteile zwischen den Wahlbezirken waren eher gering. Es lagen fast genau so viele Wahlbezirke über dem Halterner Durchschnitt, wie darunter. Es gab keinen einzigen Wahlbezirk in Haltern, in dem es nicht mindestens eine Stimme für eine der drei Rechtsparteien gegeben hat, der höchste Stimmenanteil in Summe der drei Parteien lag bei 2,18% (Wahlbezirk 005 Schulzentrum) und die höchste absolute Zahl an rechtsextremen Wählerstimmen betrug 19 (Wahlbezirk 008 Trigon).
 

Wahlergebnis Haltern am See, Zweitstimmen je Wahlbezirk

Wahl­bezirk Nr

Wahlbezirk

Stimmen NPD

Stimmen REP

Stimmen proNRW

Stimmenanteil (Summe*)
NPD+REP +proNRW

001

Josefshaus (St. Sixtus)

1

1

2

0,56%

906

Briefwahlbezirk

3

1

1

0,60%

011

Martin-Luther-Grundschule

1

1

3

0,71%

002

Marienschule

2

2

1

0,77%

012

Freiherr-von-Eichendorff-Schule

2

0

4

0,80%

009

Gaststätte Zum Römer

2

3

0

0,82%

004

Altes Rathaus

0

2

3

0,95%

902

Briefwahlbezirk

2

2

5

0,95%

007

Josef-Hennewig-Schule

1

2

3

1,08%

903

Briefwahlbezirk

3

2

6

1,10%

021

Grundschule Hullern

2

0

4

1,15%

018

Grundschule Sythen

3

0

7

1,20%

901

Briefwahlbezirk

4

3

3

1,20%

010

Grundschule Silverberg

4

1

2

1,30%

006

Gemeindehaus Hamm-Bossendorf

3

4

3

1,34%

Wahlbezirke unter oder im Durchschnitt 


 

Haltern am See gesamt

70

54

152

1,34%

Wahlbezirke über dem Durchschnitt 

019

Grundschule Sythen

2

4

5

1,39%

020

Grundschule Hullern

2

2

3

1,40%

003

Marienschule

3

1

5

1,53%

905

Briefwahlbezirk

3

5

9

1,53%

016

Grundschule Lavesum

3

0

9

1,55%

014

Grundschule Lippramsdorf

4

2

7

1,65%

904

Briefwahlbezirk

2

2

10

1,74%

022

Grundschule Flaesheim

4

2

8

1,80%

013

Freiherr-von-Eichendorff-Schule

4

2

7

1,85%

008

Trigon

2

6

11

2,08%

015

Grundschule Lippramsdorf

1

2

13

2,08%

017

Grundschule Sythen

6

2

8

2,08%

005

Schulzentrum

1

0

10

2,18%

Quelle: http://wahlen.kreis-re.de/lw2010 , außer Spalte (*)

(Alle Angaben wurde nach bestem Wissen zusammengestellt, jedoch ohne Gewähr)

 

09. 04.2010 - Innenminister warnt vor «Rattenfängern» im Internet


Foto: dpa

KÖLN.  Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat vor rechten «Rattenfängern» im Internet gewarnt. Rechtsextremistische Organisationen hätten begriffen, dass sie mit offener Werbung wenig Erfolg erzielten, sagte der Minister am Donnerstag in Köln. Sie versuchten nun, mit scheinbar sozialen Projekten, aber auch gezielt im Internet in sozialen Netzwerken, junge Leute zu ködern. Auch Bundesverfassungsschutzpräsident Heinz Fromm betonte, die Szene werbe «verdeckt und verschleiert» im Internet um junge Neuzugänge.

Zuvor hatte der niedersächsische Verfassungsschutz berichtet, Netzwerke wie Facebook, SchülerVZ, StudiVZ oder StayFriends würden zunehmend von Rechtsextremisten missbraucht.Der Minister sagte bei einem Besuch des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), die NPD, ihre Tarnorganisationen und andere rechtsextremistische Gruppierungen hätten bemerkt, «dass ihr Rechtsextremismus offenbar nicht attraktiv genug ist, um offen dafür zu werben. Das ist die gute Nachricht.» Durch Verschleiern ihrer Ziele werde aber die Aufklärungsarbeit schwieriger. Diese sei eine wichtige Aufgabe des BfV und der Landesverfassungsschutzämter.
Fromm sagte, er könne die Beobachtungen des niedersächsischen Landesamtes nur unterstützen. Hier massiv aufzuklären, sei bedeutend und werde forciert. Die am Donnerstag vorgestellte, aktualisierte BfV-Wanderausstellung «Die braune Falle - Eine rechtsextremistische Karriere» zeigt, wie der Szene häufig über das Internet die «rechtsextremistische Verführung» vor allem junger Männer gelingt. Es gibt im Web auch Kontaktbörsen, antisemitische und rassistische PC- Spiele oder Chat-Foren, in die das braune Gedankengut eingestreut wird.
In der «Welt» hatte zuvor der Chef des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans Wargel, gesagt: «Jugendliche werden über den Austausch in den Foren vermehrt an die rechtsextremistische Szene herangeführt und auch angeworben.» Häufig könnten die jungen Leute Propaganda, Indoktrination und Anwerbeversuche nicht auf den ersten Blick als rechtsextrem erkennen. «Die Rechtsextremisten tauchen in den sozialen Netzwerken im Internet als Wolf im Schafspelz auf. Sie äußern sich zunächst ganz unverfänglich und versuchen, dadurch das Vertrauen der anderen Teilnehmer zu erschleichen.»
Nach Erkenntnissen der Landesbehörde ruft die rechtsextreme NPD dazu auf, sich in den Netzwerken zu tummeln. Die «Deutsche Stimme», das Zentralorgan der Partei, gebe in der Märzausgabe unter dem Titel «Die NPD in der virtuellen Welt» konkrete Tipps, wie sich die Netzwerke unterwandern lassen.
Quelle: Zeit-online/dpa

28.03.2010 Tausende demonstrieren gegen Moschee-Feinde

Menschen in Ost und West haben gegen Aufmärsche von Rechtsextremisten protestiert. In Duisburg versammelten sich Tausende Protestanten vor Deutschlands größter Moschee, um islamfeindliche Aktionen der Rechten an den Pranger zu stellen. Der Zentralrat der Muslime bedankte sich.

Tausende Menschen demonstrieren in Duisburg vor der Moschee im Ortsteil Marxloh gegen Fremdenhass. Sie wollen ihre Abneigung zeigen gegenüber den Kundgebungen von Pro NRW und NPD, die sich gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands richten.
Zu den Gegendemonstranten...
Knapp 6000 Menschen protestierten in Duisburg gegen Anti-Islam-Demonstrationen der rechtspopulistischen Gruppierung „Pro NRW“ und der NPD. Auf Zugwegen der rechten Demonstranten kam es zu zwei Sitzblockaden von Gegnern, die von der Polizei aufgelöst wurden. Die Aktionen verliefen laut Polizei friedlich. Rund 350 Menschen seien zu den Kundgebungen der Rechten gekommen. Die Veranstalter hatten zuvor 1400 angekündigt.
Insgesamt gab es 14 Demonstrationszüge im Stadtgebiet. Mehr als 3000 Polizeibeamte verhinderten ein Zusammentreffen rechter Demonstranten mit den Teilnehmern der Gegenveranstaltungen. Die Einsatzkräfte der Polizei hatten die Straßen im Umfeld der Merkez-Moschee im Stadtteil Marxloh großräumig für den Autoverkehr gesperrt. Rund um den Kuppelbau hatten sich tausende Menschen versammelt und blockierten den Rechtsextremen den Weg.
Die größte Gegenveranstaltung war nach Auskunft der Polizei die vom Deutschen Gewerkschaftsbund angemeldete Protestdemonstration mit dem Titel „Wir sind Duisburg“, an der sich rund 4000 Menschen beteiligten. Die Demonstranten zogen von Duisburg-Hamborn aus nach Marxloh. Dort fand eine gut einstündige Kundgebung statt, an der auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, die nordrhein-westfälische SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft, die nordrhein-westfälische Grünen-Fraktionsvorsitzende Sylvia Löhrmann und der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) teilnahmen. Vom Minarett der Moschee und den Türmen der beiden christlichen Kirchen in Marxloh wehte jeweils ein großes Banner mit dem Schriftzug „Hand in Hand gegen Rassismus“.
Multireligiöse Stadt
Auf der Kundgebung „Marxloh stellt sich quer“ direkt vor der Moschee sprachen unter anderem der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und der evangelische Superintendent Armin Schneider. Der Theologe verurteilte die Hetze der Rechtsextremisten gegen die Moschee und den Islam als Provokation. Duisburg sei eine „multireligiöse Stadt mit langer Tradition“. Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen wiesen die Positionen der rechtsextremistischen Gruppen als mit dem christlichen Glauben unvereinbar zurück. Auch Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland waren nach Duisburg gekommen. Einer seiner Sprecher erklärte auf der Abschlusskundgebung: „Rassisten sind eine Gefahr - nicht Muslime.“
„Wir können Integration und leben sie“, sagte Duisburgs Oberbürger Adolf Sauerland (CDU). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) wertete die Kundgebung als deutliches Zeichen bürgerlichen Engagements gegen den Rechtsextremismus. „Wir empfinden Dankbarkeit“, sagte der ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek.
Bereits am Freitag und Samstag hatten in mehreren Ruhrgebietsstädten Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit und für Solidarität mit Muslimen stattgefunden. An den sogenannten Mahnwachen von „Pro NRW“ hatten vor Moscheen nach Polizeiangaben etwa 30 bis 40 Menschen teilgenommen. Die Gegenveranstaltungen wurden den Angaben nach von etwa 2.000 Menschen besucht.
Quelle: weltonline

 

27.03.2010 - Viel Gegenwind für Aktionen von „Pro NRW“

RUHRGEBIET. Anhänger von “Pro NRW“ traten am Freitag zu Anti-Islamisierungsdemonstrationen in sechs Städten an. Sie trafen auf Gegendemonstranten, die deutlich in der Überzahl waren. An diesem Wochenende werden es noch mehr sein – auf beiden Seiten.
Wären da nicht so viele Polizisten, so viele Journalisten und Gegendemonstranten, man würde die Demonstranten von „Pro NRW“ kaum bemerken. Ein durchnässtes Häuflein, 39 Leute mit einer Handvoll Deutschland-Fahnen und Moschee-Verbotsschildern, so stehen sie in der Horster Straße in Gelsenkirchen und demonstrieren gegen eine angebliche Islamisierung dieses Landes – dieselben 39, die zwei Stunden zuvor in Herten demonstrierten. 200 Meter die Straße herunter: vielleicht 300 Gegendemonstranten, viele linke Gruppen, Widerstandsveteranen, junge Türken auch darunter, die heute ihren witzigen Tag haben – als ein anderer Südländer hinzu tritt, rufen sie gut gelaunt „Libanesen raus“.
Elf angemeldete Gegendemonstrationen
So oder ähnlich war das am Freitag in sechs Revierstädten, Auftakt zu dem, was „Pro NRW“ ein „islamkritisches Aktionswochenende“ nennt. Die unter Rechtextremismusverdacht stehende Gruppe wird am Sonntag an der Mustermoschee in Duisburg-Marxloh demonstrieren („Abendland in Christenhand“) und tut damit etwas für ihre Bekanntheit sechs Wochen vor der Landtagswahl. Zugleich sorgt die Ankündigung dafür, dass Marxloh an diesem Sonntag nicht in der Welt ist. Denn neben diesem Aufmarsch gibt es noch einen der NPD zu derselben Moschee. Mit Blockaden, Menschenketten und elf angemeldeten Gegendemonstrationen wollen die Organisationen „Marxloher Bündnis“ und „Duisburg stellt sich quer“ beide Aufmärsche verhindern. Wieviel Menschen dazu kommen, ist völlig unklar: „5000 oder 10 000 oder 20 000, wir wissen es nicht“, sagt der Arzt Michael Lefknecht vom Bündnis.
2200 Polizisten allein in Marxloh
Fest steht aber, dass allein in Marxloh 2200 Polizisten sein werden, um die rivalisierenden Rechten, die friedlichen Gegendemonstranten und die gewaltbereiten Linksautonomen auseinander zu halten, mit denen man auch rechnen darf. Die Polizei muss schon am Samstag einschlägig aktiv sein: Vor dem Duisburger Hauptbahnhof ist eine weitere NPD-Demo angekündigt, eine Gegendemonstration auch; und in Schloss Horst in Gelsenkirchen trifft sich „pro NRW“ zu einem Parteitag. Vermutlich wieder dieselben 39 Leute. Auch hier ist mit Blockaden zu rechnen.
Quelle: WAZ/Wolf

 

22.03.2010 - Neonazis störten Diskussionsabend der IG BCE

HALTERN. Eine Gruppe von 30 Neonazis störte am Donnerstag einen öffentlichen Informations- und Diskussionsabend der IG BCE. Das offensive Auftreten der rechten Szene bei öffentlichen Veranstaltungen sei laut Heiko Klare von der Mobilen Beratung gegen Rechtsradikalismus im Regierungsbezirk Münster neu.
Die rechte Szene beschränkt sich in Haltern laut Schätzungen des Bündnisses gegen Rechts auf fünf bis sechs Anhänger. Das hört sich harmlos an. Doch der Schein trügt gewaltig. „Innerhalb von einem Tag können sie eine Gruppe von 30 Personen aus dem Umkreis rekrutieren“, weiß Frank Lackmann vom Bündnis gegen Rechts. Dass sie dies auch tun, wurde am Donnerstag bei einem öffentlichen Informations- und Diskussionsabend der IG BCE deutlich.

Bewusste Entscheidung
„Wir wussten vorher, dass die Neonazis dort auftauchen würden und haben uns bewusst dafür entschieden, die Veranstaltung trotzdem durchzuführen“, sagt Heiko Klare von der Mobilen Beratung gegen Rechtsradikalismus im Regierungsbezirk Münster. Die Absage wäre ein fatales Signal gewesen.
Man dürfe nicht immer nur über Demokratie reden, sondern müsse für diese auch aktiv eintreten. Das offensive Auftreten der rechten Szene bei öffentlichen Veranstaltungen sei laut Heiko Klare neu. Das Ziel sei, durch Parolen ihre Ideologie zu vertreten, Präsenz zu zeigen und einzuschüchtern. Strafrechtlich sei ihnen dabei zunächst nicht beizukommen. Bei der Veranstaltung im IGBCE-Bildungszentrum bildeten die Rechtsradikalen ein Drittel der rund 70 Gäste. Drei Wortmeldungen wurden von den Podiumsgästen kurz und knapp beantwortet. Frank Lackmann: „Die wollen nicht diskutieren. Die wollen nur ihre Statements abgeben.“
Lied der Hitlerjugend
Bevor Veranstalter Detlef Lüke seine Schlussworte sprechen konnte, stimmten die Rechtsradikalen ein Lied der Hitlerjugend an. Lüke machte von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies die Gruppe aus dem Saal. Beim Verlassen des Raumes erhoben die Nazis eine schwarz-weiß-rote Fahne.
„Mit den verbliebenen Gästen haben wir dann aufgearbeitet, was passiert ist“, erklärt Heiko Klare. Seiner Meinung nach sind solche Vorfälle unangenehm, in diesem Fall sei jedoch alles gut gelaufen. Es wurden keine Monologe zugelassen, das Mikrofon wurde nicht aus der Hand gegeben und es kam zu keinen Übergriffen. Das wichtigste sei gewesen, dass der Veranstalter mit der Diskussionsveranstaltung Stellung bezogen habe.
Quelle: Halterner Zeitung/Woitschell

(!)
Rechtsextreme Personen wagen sich in eine Veranstaltung des IG BCE, auch die Gegenwart der Polizei vor und im Saal hält sie nicht davon ab, vorbereitete Fragen zu stellen, eine mitgebrachte Fahne zu zeigen und gezielt zu provozieren. Das Handeln der Rechtsextremen ist hier geplant und Teil einer Strategie, die überregional verfolgt wird, möglichst alle Veranstaltungen "gegen Rechts" zu stören. Das belegen auch unter anderem Erfahrungen in anderen deutschen Städten und die Selbstdarstellung der Rechtsextremen im Internet.
Freie und unabhängige Gewerkschaften sind wie die großen Sozialverbände, Parteien und andere gesellschaftliche Institutionen wesentliche Säulen unserer Gesellschaft und eine Errungenschaft der Demokratie, um die Deutschland von vielen Ländern der Welt beneidet wird. Wer sich dagegen stellt, stellt sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung unseres Staates. Die 25 Personen, die am 18.03. in Haltern ein Zeichen setzen wollten, sind keine "paar dummen Jungs", die man ignorieren kann. Sie sind eingebettet in effiziente Netzwerke und werden strategisch gesteuert.
Wir müssen daher alle gemeinsam eine neue, realistische Bewertung der Bedrohung durch Rechtsextremismus vornehmen, um von der Verharmlosung weg zu effizienten Gegenstrategien zu kommen.
Wir dürfen nicht zulassen, dass die Gegner der Demokratie sich die Freiheit unseres Staates zu nutze machen, um ihre menschenverachtenden Parolen zu proklamieren.

 

19. 03.2010 - Das Abendland gehört allen
                         In Herten formiert sich ein breites Bündnis gegen Pro NRW-Demo
                         vor Moschee. Kirchen weisen Vereinnahmung zurück.

HERTEN. Gegen die von der rechtsextremen Partei Pro NRW geplante „Mahnwache“ vor der blauen Moschee (Bild) auf dem Paschenberg hat sich ein breites Bündnis formiert.
Vom 26. bis 28. März will Pro NRW ein „Anti-Islamisierungswochenende“ veranstalten. Dazu gehören am Samstag ein Kongress in Gelsenkirchen und so genannte „Mahnwachen“ an Moscheen in verschiedenen Städten des Ruhrgebietes. Unter anderem in Herten: Für Freitag, 26. März, hat die rechte Gruppierung eine Aktion mit 60 Teilnehmern vor der VIKZ-Moschee an der Paschenbergstraße angemeldet. „Abendland in Christenhand“ heißt der Slogan für die Veranstaltungen.
Aufgerufen vom Caritasverband, hat sich dagegen ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen gebildet, das am Freitag um 11.30 Uhr auf dem Otto-Wels-Platz in der Innenstadt eine Demonstration unter dem Thema „Herten hat keinen Platz für Rassismus“ veranstaltet. Schulen, Parteien, Vereine, Initiativen, Gewerkschaften wollen daran teilnehmen. „Im Vorfeld hat es Überlegungen gegeben, vor der Moschee zu demonstrieren, aber wir halten es für  sinnvoller, die direkte Konfrontation mit Pro NRW  zu meiden“, erläutert der katholische Stadtdechant Norbert Mertens. Linke Gruppen wollen sich indes daran nicht halten und sich an der Paschenberg­straße versammeln.
Die Kirchen fühlen sich nicht nur durch die „Mahnwache“ vor der islamischen Gebetsstätte, sondern gerade auch durch den Slogan „Abendland in Christenhand“ herausgefordert. Die evangelischen und die katholischen Gemeinden haben sich in einer gemeinsamen Erklärung ausdrücklich von dieser Forderung distanziert. „Diese Vereinnahmung für rechte politische Ziele weisen wir zurück. Das ist keine Art des Umgangs miteinander. Das Abendland gehört den Menschen, die hier leben, und nicht einer Religion“, sagt der evangelische Pfarrer Bernhard Stahl, der auch für den Christlich-Islamischen Arbeitskreis spricht.
Der Inhalt dieser Erklärung soll in den nächsten Tagen in den Gemeinden in Gottesdiensten und Gruppen erläutert und diskutiert werden. Auch die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer haben inzwischen Stellungnahmen zu den Pro NRW-Zielen abgegeben.
Ihre klare Position zu der angekündigten „Mahnwache“ wollen die Kirchen im übrigen nicht als pauschales Bekenntnis zum VIKZ verstanden wissen, dessen Führung vom Verfassungsschutz beobachtet wird. „Das heißt nicht automatisch, dass wir mit allem dort einverstanden sind. Aber das ist eine ganz andere Auseinandersetzung“, so Pfarrerin Renate Leichsenring, Vorsitzende des evangelischen Gemeindeverbandes Herten.
Quelle: WAZ/zur Nieden

 

11.03.2010 - Hertener planen zwei Veranstaltungen gegen "pro NRW"

HERTEN. Rund 70 Bürger sind am Mittwochabend ins Rathaus gekommen, um den Widerstand gegen die Demo der rechtsextremen Partei "pro NRW" zu organisieren. Die Mehrheit stimmte für einen Kompromiss. „Pro NRW“ plant am Freitag, 26. März, zwischen 10 und 11.30 Uhr eine Anti-Minarett-Demonstration unweit der blauen Moschee an der Paschenbergstraße.
Am Mittwochabend überlegten Vertreter von Kirchen, Vereinen, Parteien, Stadtverwaltung, Sozialverbänden usw. nun, wie man gegen den unerwünschten Besuch vorgehen kann. Einige forderten eine Gegenaktion direkt an der Moschee, andere stimmten für eine Kundgebung in der Innenstadt. Heraus kam ein Kompromiss: Am 26. März wird es um 10 Uhr eine kleine Solidaritätsaktion an der Moschee geben. Um 11 Uhr beginnt dann auf dem Otto-Wels-Platz vor dem Rathaus eine große, bunte Kundgebung.
Für Dienstag, 16. März, 17 Uhr, wurde ein weiteres Vorbereitungstreffen im Rathaus angesetzt.
Quelle: Hertener Allgemeine

 

05.03.2010 - Übergriff auf Familie
                        Rechte Szene wird immer jünger und gewaltbereiter
                        Dortmund ist Neonazi-Hochburg

NRW. Aufgrund zunehmender Gewalt von Rechtsextremen auch in Nordrhein-Westfalen fordern Experten jetzt ein stärkeres Vorgehen gegen Mitglieder der rechten Szene. Vor allem Dortmund, Hamm sowie der Kreis Unna stehen im Blickfeld der Ermittler. In Dortmund ist es offenbar erneut zu einem rechtsextremen Übergriff auf eine Familie gekommen.

 

 

In Dortmund war es im vergangenen Jahr auf einer Demonstration auch zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und der Polizei gekommen.
Foto: Wegener

 

In der Nacht zu Donnerstag haben bislang noch unbekannte Täter Buttersäure auf das Auto einer Familie geschüttet. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagte gestern eine Sprecherin der Polizei. Die Frau sei nach Angaben der Ermittler eher der linken Szene zuzuordnen. Daher gilt ein rechter Hintergrund als wahrscheinlich, sagte die Sprecherin. Ermittlungen von Staatsschutz und Polizei laufen.
Prävention alleine reiche beim Kampf gegen Rechts schon lange nicht mehr aus, sagt Ralf-Erik Posselt von der Gewalt Akademie Villigst mit Sitz in Schwerte. Er fordert von den Behörden stattdessen eine regelmäßige Überprüfung bekannter Neonazis. „Man muss mehr Druck aufbauen, auch durch die Polizei“, sagt Posselt. „Genau hier muss die Justiz ansetzen.“ Denn Vorfälle wie im vergangenen Jahr, als eine Familie aus Dortmund über Monate von Neonazis terrorisiert wurde, soll es laut Posselt nicht wieder geben.
Attacken gegen Familie
Damals sah sich eine Dortmunderin mit ihrer Familie immer wieder Attacken von Neonazis ausgesetzt, nachdem sie in ihrem Stadtteil regelmäßig Nazi-Plakate entfernt und „Juden-raus“-Parolen gemeldet hatte. Als Folge prangten zunächst Nazi-Aufkleber an ihrem Haus, später wurde das Küchenfenster mit einem Stein zertrümmert. Am Ende fand die Familie keinen anderen Ausweg als aus der Stadt zu fliehen.
Nach dem erneuten Zwischenfall in der Nacht zu Donnerstag in Dortmund sagte Stefan Mühlhofer von der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund: „Wir müssen aufpassen, dass die Situation in Dortmund in Zukunft nicht aus dem Ruder läuft.“ Anders als Posselt setzt Mühlhofer gemeinsam mit dem Bielefelder Soziologen und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer allerdings auf einen Ausbau der Netzwerke gegen Rechts. „Denn derzeit“, so betont Heitmeyer, „arbeiten noch viel zu viele Leute gegeneinander. Da lachen sich die Rechten dann ins Fäustchen.“
NRW-Innenministerium hat Bereitschaft signalisiert
Das NRW-Innenministerium hat bereits Bereitschaft signalisiert. Sprecherin Cordula Holzberg bestätigt, dass zukünftig verstärkt Jugendeinrichtungen, Schulen und Kirchenverbände in die Aufklärungsarbeit miteinbezogen werden sollen. „Schon jetzt kriegen wir immer mehr Anfragen gerade von Schulen.“ Grund sei die starke Verjüngung der Szene: Viele Mitglieder sind gerade einmal zwischen 16 und 23 Jahre alt.
Brisant: Mit der Verjüngung ist nach Ministeriumsangaben auch die Gewaltbereitschaft gestiegen. Im Fokus von Verfassungsschutz und Experten stehen dabei vor allem die so genannten Autonomen Nationalisten. „Bei dieser Gruppierung haben wir zuletzt ein Gewaltpotenzial auf kaum da gewesenen Niveau ausgemacht“, sagt ein Ministeriumssprecher. Das sei zuletzt bei den heftigen Auseinandersetzungen auf einer Gewerkschaftsdemo in Dortmund im Mai des vergangenen Jahres zu beobachten gewesen. Damals hatten Hunderte Aktivisten die Kundgebung des DGB attackiert und Teilnehmer verletzt.
Bundesweit schätzen Verfassungsschützer den harten Kern der „Autonomen Nationalisten“ derzeit auf 600 Personen. Knapp ein Drittel davon ist laut Innenministerium vor allem in Dortmund, Unna und Hamm aktiv.
Quelle: Halterner Zeitung
(!)Laut Ralf-Erik Posselt von der Gewalt-Akademie Villigst zieht es die rechte Szene auch verstärkt in ländliche Regionen, um ungestörter agieren zu können. "Dort werden lokale Jugendinitiativen und Vereine wie die Freiwillige Feuerwehr unterwandert."
Seit einiger Zeit sind die Autonomen Nationalisten auch in Haltern aktiv. Sie besitzen eine eigenen Internetseite, sind gut mit anderen Gruppen vernetzt und starten immer wieder spontane Aktionen.

 

13.02.2010 - Zehntausend bei Anti-Neonazi-Kette
                        Dresden stemmt sich gegen rechten Aufmarsch

DRESDEN. Eine Stadt wehrt sich: Mehr als zehntausend Menschen haben einen Ring um Dresdens Altstadt gebildet - um ein Zeichen gegen den Zug von 1300 Rechtsextremen zu setzen. Die "braunen Horden" seien unerwünscht, rief die Bürgermeisterin den Menschen zu. Vereinzelt kam es zu Gewaltausbrüchen.
Es ist der größte Neonazi-Aufmarsch seit langem - und der Protest dagegen ist gewaltig. Rund zehntausend Menschen bildeten eine geschlossene Menschenkette um die Altstadt, um der Bombardierung der Stadt vor 65 Jahren zu gedenken und zugleich ein Zeichen gegen den Zug der Rechtsextremen zu setzen.
Sie sei "überwältigt", wie viele Dresdner und Gäste der Stadt dem Aufruf gefolgt seien, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Sie seien in Gedenken an "die schlimmste Stunde" Dresdens zusammengekommen: Der Jahrestag der Bombardierung im Februar 1945 sei eine Erinnerung daran, "wer diesen verdammten Krieg losgetreten hatte". Zu der Menschenkette hatte Orosz mit Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Wirtschaftsverbänden und anderen Gruppen aufgerufen.
"Machen wir Dresden zu einer friedlichen, weltoffenen, zu einer Festung gegen Intoleranz und Dummheit", rief die Bürgermeisterin den Teilnehmern zu. "Den Jung- und Altnazis, die heute wieder versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen, stellen wir uns entgegen." Dresden lasse nicht zu, dass "braune Horden" die Stadt als Plattform für Geschichtsklitterung nutzten. "Dresden will sie nicht, und diese Bande gehört nicht hierher. Ich habe gespürt, dass die Menschen wirklich dabei waren, dass es sie in die Stadt getrieben hat, um dieses Signal zu setzen."
"Sehr deutliches Signal an die, die diese Stadt zu missbrauchen versuchen"

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nahm an der Kundgebung teil. Dresden habe den angereisten Neonazis klar die Stirn geboten, sagte er. "Ich hoffe, dass das ein sehr deutliches Signal war an die, die diese Stadt zu missbrauchen versuchen."
Die Rechtsextremen versuchen seit Jahren, die Zerstörung der Stadt für ihre Propaganda zu instrumentalisieren. Vor dem Bahnhof Dresden-Neustadt versammelten sich zunächst etwa 1300 von ihnen, unter Polizeischutz waren weitere tausend Anhänger der rechten Szene dorthin unterwegs. Doch der Marsch kam nicht in Bewegung, wegen einer Straßenblockade von rund 2000 Gegenprotestanten. Zu einer Räumung sehe sich "die Polizei außerstande", sagte Einsatzleiter Ludwig-Gerhard Danzl am Mittag. Zwischenzeitlich versuchte die Polizei allerdings Augenzeugen zufolge, die Blockaden aufzulösen. An mehreren Orten hätten sie Demonstranten weggetragen. Die Linke rief die Bürger bei einer Kundgebung dazu auf, den Neonazi-Zug zu blockieren. "Dieses Jahr stoppen wir die Nazis", rief die stellvertretende Vorsitzende Katja Kipping.
Am Rande der Feiern kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen und linken Demonstranten, es flogen Flaschen und Feuerwerkskörper. Auch Polizisten wurden einem Sprecher zufolge angegriffen. Es sei ein Wasserwerfer eingesetzt worden. Verletzt worden sei bisher niemand. Die Polizei nahm laut eigenen Angaben bis zum Nachmittag sieben Menschen fest.
Gegendemonstranten hatten Barrikaden auf den Gleisen zwischen den beiden großen Dresdner Bahnhöfen wurden errichtet, um die Anreise der Rechtsextremisten zu verhindern. Die Polizei ist nach eigenen Angaben mit 6000 bis 8000 Beamten in der Stadt. Sechs große Transporthubschrauber, dunkelblau, weiße Türen, kreisten laut "taz" über der Stadt. Ein Bus mit 30 Neonazis sei angegriffen worden. In einer Seitenstraße wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ein parkendes Auto umgestoßen.
Die Versammlung der Rechtsextremisten überschattet das Gedenken an die Zerstörung Dresdens durch die Luftangriffe alliierter Bomber am 13. und 14. Februar 1945. Das Bombardement kostete nach Angaben einer Expertenkommission bis zu 25.000 Menschen das Leben. In der Nazipropaganda war von bis zu 200.000 Toten die Rede, was nun missbraucht wird, um die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg zu relativieren.
Das breite Bündnis gegen rechts wird von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) angeführt. Ab 13 Uhr hatten Gegendemonstranten mit einer Menschenkette und weißen Rosen symbolisch die Altstadt gegen Rechtsextremisten abgeriegelt. Laut eigenen Angaben wollen sie damit ein Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt setzen.
Quellen: ssu/AFP/apn/dpa

 

08.02.2010 - Nazi-Kundgebung: Polizei nimmt 25 Gegendemonstranten fest

MARL. Auch unsere Nachbarstadt kommt nicht zur Ruhe. 25 Personen, die dem linksorientierten Spektrum zugeordnet werden, wurden am Samstag in Marl festgenommen. Vorausgegangen war eine genehmigte Demonstration von Neonazis, die unverblümt die Todesstrafe für Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergangen haben, forderten.
Etwa 170 Teilnehmer trafen sich zur Kundgebung am Busbahnhof. Danach marschierten die Neonazis stundenlang durch die Stadt. Begleitet wurden sie von den linksgerichteten Gegendemonstranten und anderen Bürgern.
Gegen 13 Uhr kam es dann an der Rappaportstraße zu den Auseinandersetzungen zwischen den beiden verfeindeten Gruppen. Linksautonome zündeten nach Angaben der Polizei dabei Feuerwerkskörper an. Die Polizeibeamten, die mit einem großen Aufgebot die Demonstration begleiteten, griffen sofort ein. 25 Personen wurden festgenommen. Gegen sie wird ein Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet. Sieben wurden mit Platzverweisen belegt. Einer wurde mit einer Anzeige wegen Beleidigung belegt. Gegen 15 Uhr endete die Demonstration. Die Rechtsradikalen wurden von der Polizei aber weiter begleitet, bis sie per Bus und Bahn abfuhren. Ein weitere Gegendemonstration mit etwa 50 Teilnehmern verlief friedlich.
Auslöser für die Kundgebungen, war der kurzzeitige Aufenthalt des Sexualstraftäters Hans H., der durch eine Panne bei den Justizbehörden, im Anschluss an seine Haft, nicht in Sicherheitsverwahrung genommen werden konnte. H. hatte eine Unterkunft in Marl von der Stadt zugewiesen bekommen. Die Stadt kannte aber den Hintergrund des 62-Jährigen zunächst nicht. Der 62-Jährige befindet sich mittlerweile  nicht mehr in Marl.
Quelle: WAZ/Decker

 

05.02.2010 - Neonazis verhöhnen Alexander Lebenstein nach dessen Tod

Mit Empörung reagiert das Bündnis auf die öffentliche und unverhohlene Häme aus der Neonaziszene nach dem Tod des Halterner Ehrenbürgers Alexander Lebenstein. Halterns Ehrenbürger Alexander Lebenstein hat sich Zeit seines Lebens gegen die Ausbreitung faschistischen Gedankenguts in Deutschland und anderswo engagiert. So sind die Rechten im Internet noch am Todestag Lebensteins aktiv geworden und haben den Halterner Ehrenbürger dort in niederträchtigster Weise vorgeführt. In einem wohl mittlerweile gelöschten Eintrag auf der Plattform "StudiVZ" ist die Alexander-Lebenstein-Realschule zudem als "Judenschule" diffamiert worden. Darüber hinaus verteilten Mitglieder der Autonomen Nationalisten Flugblätter mit zum Teil antisemitischem Inhalt. 
Die Aktivitäten der rechten Szene erfüllen uns mit Sorge und zeigen zugleich, dass die rechte Szene in Haltern weiterhin aktiv ist. Besonders im Bereich von Halterns weiterführenden Schulen sind Anhänger des rechten Gedankenguts auf Werbetour.
Wie die Polizei mitteilte, wurde der Staatsschutz eingeschaltet. Da die entsprechende Seite aber nicht auf einem deutschen Server abgelegt ist, sei der Zugriff schwierig. Die Ermittlungen dauern an.
(!)Mit Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, dass noch am Todestage unseres Ehrenbürgers im Internet Hetzkampagnen gegen Alexander Lebenstein und unsere Realschule bekannt geworden sind. Ebenso sind wir geschockt über das Verteilen von Flugblättern mit antisemitischen Inhalten, in welchen gegen jüdische Mitbürger/-innen gehetzt wird.
Über die Verdienste, die Alexander Lebenstein nicht nur unserer Stadt erwiesen hat, kann man nicht dankbar genug sein. Mit seinem beispiellosen Engagement und seiner Offenheit hat er dafür gesorgt, dass sich eine wunderbare Freundschaft mit den Bürger/-innen der Stadt Haltern am See ergeben hat, was aufgrund der Vergangenheit sicherlich nicht selbstverständlich gewesen ist.
Auch der Einsatz unserer Realschule gegen Rassismus und Antisemitismus verdient unseren uneingeschränkten Respekt und unsere Dankbarkeit und muss mit allen Mitteln weiterhin unterstützt werden.
Nicht zuletzt in Gedenken an den außergewöhnlichen Menschen Alexander Lebenstein wird sich das Halterner Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus weiterhin entschieden für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte einsetzen. Die abscheulichen Hetzkampagnen rechtsextremistisch Verblendeter zeigen uns, wie wichtig es ist, weiter für demokratische Grundwerte einzutreten und deren Gegnern mit allen Mitteln der Demokratie entgegenzutreten.
Auch wir trauern um Alexander Lebenstein.

 

05.02.2010 - Gescheiterter Verbotsantrag für NPD-CD stößt auf Unverständnis

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien sieht keine Möglichkeit zum Verbot einer sogenannten Schulhof- CD der rechtsextremen NPD. Die Scheibe dürfe deshalb weiterhin Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht werden, sagte die Leiterin der Prüfstelle, Elke Monssen-Engberding, am Freitag in Bonn.
Sie bestätigte damit einen Bericht der Zeitung „Neues Deutschland“. Die NPD verteilt seit 2004 auf Schulhöfen kostenlos CDs mit Liedern, in denen Elemente der NS- Ideologie verbreitet werden. Das LandeskriminalamtNiedersachsen hatte einen Verbotsantrag gestellt.
Jugendschutz und Meinungsfreiheit
Es gehe immer um eine Abwägung zwischen Jugendschutz und Meinungsfreiheit, sagte Monssen-Engberding. „Die Bundesprüfstelle darf nichts allein wegen des politischen Inhalts indizieren.“ Auf der CD werde auch nicht zu Gewalt aufgerufen. Es sei lediglich so, dass sich ein Sänger darüber beklage, „dass auf die Rechten draufgehauen wird“. Dies falle auf jeden Fall unter Meinungsfreiheit.
„Wenn es da jetzt geheißen hätte “Haut auf den oder den drauf“, das wäre etwas anderes gewesen.“ So aber seien der Prüfstelle die Hände gebunden. Die CD sei offenbar von der NPD selbst anwaltlich überprüft worden, um sicherzugehen, dass sie nichts enthalte, was ein Verbot rechtfertigen könne.
Fremdenfeindliche Inhalte
Das niedersächsische Innenministerium bedauerte die Entscheidung der Bundesprüfstelle. „Es ist zunächst auf Befremden gestoßen, dass die CD nicht als jugendgefährdend eingestuft wurde“, sagte ein Sprecher. Das Ministerium will nun die Begründung abwarten und bewerten.
Die Sprecherin des Verfassungsschutzes Niedersachsen, Maren Brandenburger sagte:„Unabhängig von der Entscheidung, halten wir die CDs inhaltlich aber sehr wohl für gefährlich.“ In einigen Texten werde versucht, jugendspezifische Themen mit fremdenfeindlichen Inhalten zu verknüpfen. „Daher werden wir auch in Zukunft an Schulen Aufklärungsarbeit leisten und das Thema bei Schülern und Lehrern ansprechen.“
Eigenregie der Schulen
Monssen-Engberding regte an, dass die Schulen ein Verteilen solcher CDs auf dem Schulhof in Eigenregie unterbinden. Dafür sei kein Verbot durch die Bundesprüfstelle erforderlich.
Quelle: dpa/Halterner Zeitung

 

28.11.2009 - Aktionen gegen Rechts zum Nazi-Aufmarsch im Vest

RECKLINGHAUSEN. Vom abgeriegelten Hauptbahnhof sind es nur wenige Meter bis zum Ehrenmal am Lohtor, und doch könnte an diesem verregneten Samstagmorgen die Stimmung an zwei Orten unterschiedlicher nicht sein. Den 500 Neonazis bieten Gegendemonstranten bei einer Kundgebung die Stirn.


Die Mahnwache des Koordinierungskreises Recklinghausen für Toleranz und Zivilcourage am Samstag am Lohtor in Recklinghausen. Foto: Lutz von Staegmann

Wir stehen hier, weil es zu einer bunten Vielfalt, zu einem friedlichen und toleranten Zusammenleben in unserer Stadt keine Alternative gibt”, begrüßt VHS-Leiter Jürgen Pohl im Namen des Koordinierungskreises „Recklinghausen für Toleranz und Zivilcourage” die Anwesenden. Vertreter der Schulen, Vereine, Parteien, Gewerkschaften, der christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden aus dem ganzen Kreis Recklinghausen stehen entschlossenen beisammen, auch um der eigenen Hilflosigkeit entgegen zu wirken: „Demokratie heißt eben, Andersdenkende akzeptieren zu müssen, selbst wenn die auf dem falschen Weg sind. Nichts desto trotz ist es unsere Aufgabe heute, mit dieser Mahnwache den richtigen Weg zu zeigen”, versucht Christos Argiriou, Sprecher des Recklinghäuser Kinder- und Jugendparlaments in Worte zu fassen, was so viele der friedlichen Demonstranten hier und heute beschäftigt.
Auftrag und Verpflichtung der Gesellschaft
Denn Akzeptanz fällt schwer, auch und vor allem angesichts der Worte Harold Lewins. Ganz genau erinnert sich das Mitglied der jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen an den 9. November 1938. Damals, als er von der Schule heimkam und die Synagoge brannte, an die lachenden Passanten, an Feuerwehr und Polizei, die tatenlos zusahen, an verschleppte Nachbarn und gedemütigte Freunde, an die Konzentrationslager. Mit fester, lauter Stimme beschwört Lewin die Bilder der Vergangenheit, ein bewegender Vortrag, der die Brücke schlägt in ein finsteres Stück deutscher Geschichte.


Gegendemonstration in Recklinghausen. Foto: Lutz von Staegmann

Genau daraus ergeben sich, laut Bürgermeister Wolfgang Pantförder, Auftrag und Verplichtung unserer Gesellschaft: „Niemals wieder darf es extremistisches Handeln geben und wir dürfen nicht aufhören klar zu stellen, dass es in Recklinghausen keinen Boden gibt für rechtes Gedankengut.” Und harren sie aus, bei Liedern und Gedichten, bei afrikanischen Trommeln und türkischer Laute, setzen dem braunen Brei die bunte Vielfalt entgegen. „Wir sind heute hier mit dabei, weil wir es einfach wichtig finden, dass man sich gegen Rechte einsetzt”, erzählt die 16-jährige Denise, Schülerin der Wolfgang-Borchert Gesamtschule in Recklinghausen. Eine von vielen Jugendlichen, die den Weg zum Ehrenmal gefunden hat.
Auch die Mitglieder der Jungen Sozialdemokraten sind mit von der Partie, verteilen Schokoladengebäck an die Besucher: „Hau weg die braune Scheiße”, erklärt der 21-jährige Rouven grinsend und fügt hinzu: „Ein kleiner Spaß. Wir nehmen diese Veranstaltung sehr ernst und freuen uns, dass die Resonanz so groß ist. Hoffentlich werden so noch viel mehr junge Leute motiviert, etwas zu tun.”
Platzverweise
Etwa 500 rechtsorientierte Personen nahmen nach Angaben der Polizei an der Demonstration teil. Gruppierungen aus dem linken Spektrum versuchten immer wieder, die Demo zu stören. Dies unterband die Polizei konsequent, direkte Konfrontationen gab es keine. Im Verlauf des Tages waren im Zusammenhang mit dem Aufzug Rechts und den Gegenaktionen Personalienfeststellungen und 141 Platzverweise erforderlich. Darüber hinaus kam es zu einer Strafanzeige wegen Beleidigung. Auch die für die Banhöfe zuständige Bundespolizei erteilte 278 Platzverweise.
Quelle: WAZ/Müller

 

24.11.2009 - Mahnwache am Lohtor - Mit kultureller Vielfalt gegen Nazis

RECKLINGHAUSEN Für Samstag, 28. November, haben Neonazis einen Umzug in Recklinghausen angemeldet. Der Koordinierungskreis für Toleranz und Zivilcourage hält dagegen: Von 10 bis 14 Uhr wird am Lohtor die Mahnwache gehalten, alle Bürger sind aufgerufen, Flagge gegen Rechts und für die Demokratie zu zeigen.

 

 

Am Lohtor-Mahnmal - hier ein Bild von "Recklinghausen leuchtet" - treten Bürger am Samstag für Toleranz und kulturelle Vielfalt ein.
Foto: J. Gutzeit

 

 

Wer wissen will, wie die Nazis mit Menschen umgegangen sind, kann am Samstag Harold Lewin zuhören. Er ist Mitglied der jüdischen Gemeinde und einer der letzten Holocaust-Überlebenden.
Am Samstagmorgen spricht Lewin bei der Mahnwache am Lohtor, Titel: „Für Toleranz und kulturelle Vielfalt“. Es gibt Musik und Texte – Gedichte und Reden, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Stadtspitze, Kirchen, Gewerkschaften und Parteien Schulen und Verbände – die Mahnwache „Toleranz und kulturelle Vielfalt“ ruht auf vielen Schultern.
Die Wahl des Ortes für die Mahnwache kommt nicht von ungefähr. VHS-Leiter Jürgen Pohl gehört zu den Organisatoren aus der Koordinierungskreis für Toleranz und Zivilcourage.
Absolut unerwünscht
Er ist sich mit Bürgermeister Wolfgang Pantförder und Dezernent Georg Möller einig, wenn er sagt: „Nazis sind absolut unerwünscht. Wir wollen am Mahnmal am Lohtor ein Zeichen setzen. Einem Ort, der eine Wandlung vom Kriegergedenken zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer Gewalt und Terror erfahren hat.“
Quelle: Halterner Zeitung

(!)Die Polizei schaltet am Dienstag, 24. November, ab 8 Uhr im Zusammenhang mit dem Nazi-Umzug am Samstag ein Bürgertelefon frei. Unter der Rufnummer (0800) 2 36 11 00 (kostenlos) können Informationen abgerufen werden.

 

06.11.2009 - Sternmarsch

Gestützt auf ein Bündnis von Institutionen, Parteien und Verbänden setzten am Freitag 150 Menschen ein deutliches Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt.

 

150 Teilnehmer waren dem Aufruf des "Bündnisses gegen Gewalt und Rechtsextremis-mus" gefolgt. Zu wenig für einen Sternmarsch.
Foto: Irene Stock

 

Unter ihnen waren Vertreter von DGB, Verdi, die stellvertretende Bürgermeisterin Hiltrud Schlierkamp (CDU) sowie Bundestagsabgeordneter Michael Groß (SPD). Zu dem lokalen Schulterschluss hatte das „Bündnis gegen Gewalt und Rechtsextremismus“ eingeladen. Anlass war, den Aktivitäten Autonomer Nationalisten in Haltern, aber auch den Nachbarstädten schon im Vorfeld zu begegnen. „Ihre Teilnahme zeigt uns, dass Sie alle für eine demokratische Stadt Haltern sind“, sagte Heike Brüggemann, die das Bündnis 2001 gründete, vor dem Alten Rathaus. Parolen, Schmierereien, Aufkleber und Aufrufe, an der Demonstration von Rechtsradikalen Ende November in Recklinghausen teilzunehmen, dürfe es in Haltern nicht geben.
150 Teilnehmer
Einerseits überraschte es die Organisatoren des Sternmarsches nicht, dass nur 150 Teilnehmer kamen. „Wir haben damit gerechnet, dass es deutlich weniger sind als im letzten Jahr“, so Bündnissprecher und Grünen-Ratsmitglied Frank Lackmann. In 2008 erklärten sich rund 350 Halterner solidarisch mit den Zielen des Bündnisses, nachdem es 14 Tage zuvor zu Ausschreitungen mit rechten Jugendlichen am Bahnhof gekommen war. Andererseits frustrierte es die Organisatoren am Freitag, dass in einer Stadt, die knapp 40.000 Einwohner hat, sich nur 150 auf den Weg machten. Deswegen disponierten sie kurzfristig um und verzichteten auf einen Sternmarsch.
Keine Reden, dafür Live-Musik
Die Polizei begleitete den Marsch von der Muttergottesstiege zum Marktplatz. Es gab einige Banner, auf denen mit großen Lettern „Haltern zeigt Flagge“, „Toleranz“ und „Demokratie“ stand. Politiker hielten keine Reden, stattdessen gab es Live-Musik der Band „Insite“ und alkoholfreien Glühwein.
Es war ein politisch neutraler Protest - was einigen Teilnehmern wohlwollend auffiel. Das Engagement des Bündnisses dürfe nicht für parteipolitische Interessen genutzt werden, so CDU-Ratsmitglied Wolfgang Ulke. Gewalt habe nichts mit politischen Sichtweisen zu tun. Die Anwesenheit der Antifa und Lieder wie „Wir sind Deserteure“ hatten bei Demo-Teilnehmern im vergangenen Jahr zu Unmut geführt.
Quelle: Halterner Zeitung

 

08.03.2009 - Mobil gegen Rechts

Rechtsextremismus ist seit einiger Zeit wieder ein aktuelles Thema in Haltern. Das Bündnis gegen Rechts will sich auch aufgrund der aktuellen Anlässe verstärkt für Demokratie und Toleranz stark machen.


»Dieser Nazi-Spruch und diverse Hakenkreuz-Schmierereien sind gezielte Angriffe auf Halterner Bürger mit Migrationshintergrund«, so Bündnis-Sprecher Lackmann.
Foto: Guido Schulmann

 

Die rechten Übergriffe haben die Bündnis-Mitglieder sehr erschüttert. „Wenn Jugendliche angegriffen und verletzt werden“, sagt Bündnis-Sprecher Frank Lackmann“, dann sollte das zu denken geben.“
Aktionen in Planung
Deswegen plant das Bündnis gegen Rechts in der nahen Zukunft diverse Aktionen. Damit will sich die Gruppe aber nicht gegen bestehende Angebote von Stadt und Vereinen stellen, sondern zusätzliche Veranstaltungen schaffen, bei denen der Demokratie-Gedanken im Fokus steht.
„Die Resonanz in der Bevölkerung, sich gegen Rechts zu stellen, ist da“, haben die Bündnis-Mitglieder gemerkt. Der Sternmarsch vor einigen Monaten habe gezeigt, dass sie Leute nicht wegschauen, sondern aktiv handeln wollen. Aus diesem Grund hat sich das Halterner Bündnis professionelle Verstärkung geholt. Gemeinsam mit der Mobilen Beratung im Regierungsbezirk Münster – Gegen Rechtsextremismus, für Demokratie (kurz: mobim) wollen sie schon bald eine Informationsveranstaltung organisieren, zu der jeder Interessierte herzlich eingeladen ist.

Aussteiger-Möglichkeit
„Die Autonomen Nationalisten haben sich gut vernetzt und bilden mit Marl auch eine große rechte Szene – dagegen will sich das Bündnis stark machen. Zudem legen wir großen Wert auf das Thema Aufklärung. Vor allem wenn es um Aussteiger-Möglichkeiten geht. Wir brauchen eine überregionale Anlaufstelle wie Exit“, betont Lackmann und fordert des Weiteren eine bessere Polizeipräsenz in Halten – „die Wache muss auch nachts besetzt sein.“
Zusammenarbeit
Dabei setzt das Bündnis auf eine Zusammenarbeit mit der Politik, dem Jugendamt und den Schulen. Die Organisation mobim steht ihnen dabei zur Seite. Deren Anliegen ist es, eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Rechtsextremismus zu fördern. Dabei beraten sie das Bündnis in Haltern. Wer Interesse hat, sich ebenfalls gegen Rechts stark zu machen und dem Bündnis anzuschließen, kann sich per Mail mit den Bündnis-Sprechern Frank Lackmann und Heike Brüggemann in Verbindung setzen:
haltern-zeigt-flagge@gmx.de
Quelle: Halterner Zeitung